Gibt’s nur bei uns! Endemische Tierarten in Deutschland

Wer hätte das gedacht? Auch in Deutschland gibt es endemische Tiere. Also Arten, die nur bei uns vorkommen und sonst nirgends auf der Welt. Denn als endemisch bezeichnen Biolog:innen Arten, die nur in einem bestimmten, räumlich eng begrenzten Gebiet leben. Für diese haben wir eine ganz besondere Verantwortung. Denn wenn sie hier verschwinden, sind sie für alle Zeit ausgestorben. Welches sind also diese besonderen Tiere, die es nur in Deutschland gibt? Besonders viele sind es nicht:

Einzig endemisches Säugetier in Deutschland: Der Elbebiber

Der Elbebiber, eine Unterart des eurasischen Bibers, wird etwa 25 Kilo schwer und 125 Zentimeter lang und ist damit das größte Nagetier Europas! Er ist außerdem eines der wenigen endemischen Tiere in Deutschland. Wie der Name schon sagt, lebt der Biber an der Elbe, genauer gesagt in ihren von Auwäldern gesäumten Uferbereichen. Die Biber haben kräftige Zähne, fällen Bäume und können zehn Zentimeter dicke Äste in 30 Minuten durchnagen. Aus Ästen und Zweigen bauen sie sich große Höhlen, die Burgen genannt werden.

Beinahe wäre der Elbebiber ausgestorben. Er wurde als Schädling bejagt und sein Lebensraum nahezu systematisch zerstört. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es nur noch ganze 200 seiner Art an der Mittleren Elbe. Wiederansiedelungen und der Schutz der Biber und ihrer Elbauen konnten das in Deutschland endemische Tier retten. Das ist ein großer Erfolg für den Naturschutz. Doch die Eigenschaft der Biber, ihren Lebensraum umzugestalten, Dämme zu bauen, das Wasser aufzustauen und auch viele Bäume zu fällen, behagt nicht jedem. Insbesondere Land- und Forstwirte fordern die Bejagung der europaweit streng geschützten Tiere.

Der WWF hat in seinem Naturschutzgroßprojekt Mittlere Elbe mehrere tausend Hektar überflutbare Auenwildnis geschaffen, in dem sich etliche Biberfamilien dauerhaft wohlfühlen.

Wunderschön und sehr selten: Der Mosel-Apollofalter

Endemische Arten in Deutschland: Tiere, die nur in Deutschland leben.
Endemit: Mosel-Apollofalter © IMAGO / panthermedia

Oft sind es Gliederfüssler, die in Deutschland endemisch sind. Zum Beispiel einige Tausendfüßler und Falter. Dazu gehört der im Moseltal heimische Apollofalter mit seiner hübschen, markanten Zeichnung. An den Steilhängen der Mosel finden sowohl die Raupen als auch die erwachsenen Schmetterlinge genau die richtigen Pflanzen als Nahrung.

Es gibt in den Hoch- und Mittelgebirgen Europas verschiedene Arten des Roten Apollo oder Apollofalters (Parnassius apollo). Die wärmeliebenden Tagfalter sind stark bedroht und streng geschützt. Der Mosel-Apollofalter erlag Anfang der 80er Jahre zu Hauf Insektengiften, die aus der Luft großzügig auf die umliegenden Weinberge versprüht wurden. Naturschützern sei Dank konnten sich seine Bestände dann aber stabilisieren. Leider war das nicht von Dauer: Seit einigen Jahren werden diese in Deutschland endemischen Tiere wieder dramatisch weniger – und man weiß noch gar nicht so genau, warum.

In Deutschland endemisch: Der Badische Riesenregenwurm

In Deutschland endemische Tiere sind Arten, die nur hier bei uns leben.
Riesig: In Deutschland endemischer Regenwurm © Naturschutzzentrum-Feldberg

Der Badische Riesenregenwurm ist eine der wenigen endemischen Tierarten in Deutschland, deren Bestände zum Glück nicht bedroht sind. Denn für einen Regenwurm ist er eine durchaus beeindruckende Erscheinung. Er kann bis zu 20 Jahre alt und 60 Zentimeter lang werden. Wie und warum die Ringelwürmer sich zu einer solchen Größe entwickelt haben, ist bis heute unklar. Der Badische Regenwurm lebt ausschließlich in einem kleinen Areal im Südschwarzwald.

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In Deutschland endemische Fische: Luzin-Maräne

Mindestens elf endemische Fischarten schwimmen in den Seen und Flüssen unseres Landes, darunter verschiedene Maränen. Eine davon ist die Luzin-Maräne, die es nur im Breiten Luzin in Mecklenburg-Vorpommern gibt. Normalerweise hält sich die Luzin-Maräne in tieferen Wasserregionen zwischen 20 und 58 Metern Tiefe auf, was auch ihre geringe Größe und ihre großen Augen erklärt. In flachere Gewässerabschnitte wandert sie nur zur Fortpflanzung.

Insgesamt wissen wir übrigens noch viel zu wenig über Fische in Deutschland. Wahrscheinlich gibt es noch wesentlich mehr ausschließlich deutsche Arten in bisher unerforschten Seen. Aber eins ist klar: Etwa die Hälfte aller Fischarten bei uns ist stark bedroht oder sogar schon ausgestorben. Dazu gehören auch die endemischen Tiere. Abholzung, Wasserverschmutzung, der Bau von Staudämmen, Begradigungen und Uferbefestigungen haben den Lebensraum Fluss und See in Deutschland stark verändert. Am Breiten Luzin arbeiten wir wie an dutzenden weiteren Seen daran, diese wertvollen, natürlichen Lebensräume vor intensiver Nutzung zu bewahren.

Endemische Schnecken: Typisch deutsche Weichtiere

Gibt es weltweit nur hier: Endemische Arten in Deutschland
Rhön-Quellschnecke: Kleiner als ein Stecknadelkopf © Stefan Zaenker

Unter den Mollusken oder Weichtieren gibt es drei Arten, die ausschließlich in Deutschland zu finden sind: Die von Aussterben bedrohte Schwäbische Grasschnecke, die mittlerweile sehr seltene Halden-Haarschnecke (die an wechselfeuchten grasigen Halden in lichten Steilhangwäldern Süddeutschlands lebt) und die stark gefährdete Rhön‑Quellschnecke. Letztere lebt an hessischen Mittelgebirgsquellen und Quellbächen. Sie braucht kaltes und unbelastetes Quellwasser – und das ist immer schwieriger zu finden. Weil die einzelnen Populationen außerdem voneinander isoliert in verschiedenen Gewässern vorkommen, sind einmal ausgestorbene „Quellschnecken-Familien“ unwiederbringlich ausgelöscht. Ein häufiges Problem endemischer Arten.

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In Deutschland endemische Pflanzen

Endemische Pflanzen in Deutschland, Endemiten
Bayerisches Löffelkraut: Endemische Pflanze in Deutschland © IMAGO / imagebroker

Im Vergleich zu anderen Ländern ist auch die Anzahl der ausschließlich bei uns heimischen Pflanzen nicht besonders hoch. Immerhin gibt es in Deutschland etwa 42 endemische Pflanzenarten. Zum Vergleich allerdings: Das spanische Festland hat 700 endemische Arten.

Zu den endemischen Pflanzen in Deutschland gehören zum Beispiel der Schierlings-Wasserfenchel, den wir an der Tideelbe retten wollen — oder das Bayerische Löffelkraut, das fast nur in zwei Gebieten im nördlichen Allgäu wächst.

Das Problem daran, endemisch zu sein

An nur einem einzigen Ort zu existieren, bedeutet eine große Gefahr für Tiere und Pflanzen. Endemische Arten leben auf oft sehr eng begrenztem Raum, das macht sie anfällig. Verändern sich die Umweltbedingungen auf ihrer „Insel“ zu sehr, bedeutet dies meist direkt das Aus für die gesamte Art. Umso mehr Verantwortung müssen Länder, Regionen und Gemeinden für die Arten übernehmen, die es nur bei ihnen gibt. Auch wir hier in Deutschland.

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Was würde ein Klimakanzler tun?

Ich bin jetzt 25. Laut Lebenserwartung einer deutschen Frau habe ich noch um die 55 Jahre Leben vor mir. Ich brauche jetzt ihn: den echten Klimakanzler. Und hier kommt, was er jetzt tun muss. 

Die aus Art. 2 Abs. 2 Satz 1 Grundgesetz folgende Schutzpflicht des Staates umfasst auch die Verpflichtung, Leben und Gesundheit vor den Gefahren des Klimawandels zu schützen. Sie kann eine objektivrechtliche Schutzverpflichtung auch in Bezug auf künftige Generationen begründen.

Das stammt aus dem historischen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom März 2021 zum deutschen Klimaschutzgesetz. Damals hatte das höchste deutsche Gericht geurteilt, dass Teile des alten Klimaschutzgesetzes verfassungswidrig waren. Es bürdete nachfolgenden Generationen eine hohe Emissionsreduktionslast auf. Und schränkt dadurch meine, unsere Freiheit ein – während vorherigen Generationen deutlich größere Teile des CO2-Budgets zugestanden wurden.

Klimaschutz hat Verfassungsrang

Das Ergebnis dieses Beschlusses war die Überarbeitung des deutschen Klimaschutzgesetzes. Neue Zwischenziele für die Reduktion von Treibhausgasemissionen wurden festgelegt. Viel wichtiger aber ist, dass das Verfassungsgericht deutlich gemacht hat: Klimaschutz ist eine Verpflichtung des Staates. Und diese Verpflichtung darf nicht einfach aufgeschoben werden, da sonst eben die Freiheiten von morgen unverhältnismäßig eingeschränkt werden. Klimaschutz hat seither also Verfassungsrang.

Warum passiert so wenig beim Klimaschutz?

Soweit zu Recht und Theorie. Bei der Umsetzung wird es allerdings schon wieder schwieriger. Denn zwar hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag festgelegt, dass sie das Klimaschutzgesetz „noch im Jahr 2022 konsequent weiterentwickeln“ und ein umfassendes Klimaschutzsofortprogramm auf den Weg bringen wolle. Alle Sektoren – Verkehr, Gebäude, Stromerzeugung, Industrie und Landwirtschaft – müssten dazu ihren Beitrag leisten. Passiert ist allerdings… sehr wenig. Ein Klimaschutzsofortprogramm? Gibt es immer noch nicht. Und die Sektoren? Haben erst vor Kurzem ein vernichtendes Urteil des Expert:innenrats für Klimafragen in Bezug auf ihre Umsetzung der Klimaziele bekommen.

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Der Expert:innenrat ist bewertet den Fortschritt der Sektoren. Das Urteil: Die bisherigen Emissions-Reduktionsraten reichen bei weitem nicht aus, um die Klimaschutzziele für 2030 zu erreichen – weder in der Summe noch in den einzelnen Sektoren“. Insbesondere die Sektoren Verkehr und Industrie stoßen deutlich zu viele Emissionen aus. Das von Minister Wissing vorgelegte Sofortprogramm für den Bereich Verkehr war sogar so schlecht, dass die Expert:innen es im August im Grunde nicht bewertet hatten – es erfülle die Anforderungen an ein Sofortprogramm nicht.

Große Versprechen, kleine Resultate

Trotz großer Versprechen und Ankündigungen hat die Bundesregierung also nicht geliefert. Die bisherigen Maßnahmen zeigen wenig Ambition. Sie genügen – zum Beispiel im Bereich Verkehr – nicht mal der gesetzlichen Pflicht des Klimaschutzgesetzes. Stattdessen taucht immer wieder die Forderung der FDP auf, die Sektorziele für den Klimaschutz aufzuweichen, also etwa die Minderungsziele für Industrie oder Stromerzeugung. Diese Bilanz ist ernüchternd. Olaf Scholz, Selbstbezeichnung Klimakanzler, wird zum Kummerkanzler. Doch er kann das noch ändern.

Was mein Klimakanzler tun muss

Erstens: Die Sektorziele sind zentral. Sie zeigen transparent und spezifisch, wo wir in den einzelnen Bereichen stehen und wo wir handeln müssen. Sie setzen auf die faire und gemeinschaftliche Umsetzung von Klimaschutz. Und das ist gut so. Denn um 2045 klimaneutral zu werden, müssen wir auch in allen Sektoren ansetzen. Außerdem weisen die Sektorziele klare Verantwortlichkeiten zu. Und sie ermöglichen Nachbesserungen: nämlich über ihre Verpflichtung zu Sofortprogrammen im Falle einer Zielverfehlung. (Mehr zu dem Thema auch in unserem offenen Brief: „Klimaziele werden nicht erreicht, indem man sie abschafft“.)

Zweitens sollte ein Klimakanzler das Klimaschutzgesetz nicht nur beibehalten, sondern sich  für dessen Weiterentwicklung einsetzen. Denn momentan wird der Klimaschutz hauptsächlich an „Ex-Post“-Indikatoren gemessen. Also Indikatoren, die sich auf das vergangene Jahr beziehen. Um gerüstet für die Zukunft zu sein, brauchen wir auch „Ex-ante“-Indikatoren. Ein Beispiel: der Fachkräftemangel. Wir wissen jetzt schon, dass wir viel zu wenig Fachkräfte für den Ausbau der Erneuerbaren Energien haben. Das ist ein Indikator dafür, dass wir im Sektor Stromerzeugung ein Problem bei der Umsetzung der Klimaziele bekommen werden. Und dass wir dort nachsteuern sollten.

Drittens würde ein Klimakanzler schnellstmöglich seinen Versprechen nachkommen und ein Klimaschutzsofortprogramm auf den Weg bringen – und zwar ein echtes Klimaschutzsofortprogramm. Dieses müsste den Ausbau erneuerbarer Energien und sauberer Anwendungen und Industrieprozesse beschleunigen, sowie fossilen Projekten endgültig eine Absage erteilen – im Ausland wie in Deutschland. Außerdem braucht es umfassende Investitionen etwa in „Klima-Infrastruktur“, erneuerbare Energiesysteme und die Sanierung besonders ineffizienter Gebäude. So kann der Umbau in Richtung Klimaneutralität ermöglicht werden. Das würde nicht nur dem Wirtschaftsstandort Deutschland guttun, sondern auch ein klares Signal an den privaten Kapitalmarkt senden.

Klima Demonstration
Klimakanzler, bitte herhören. Es gibt viel zu tun! © Halfpoint/iStock/Getty Images

Was also werden der Kanzler und die Bundesregierung tun? Am besten alles. Ich bin jetzt 25. Laut Lebenserwartung einer deutschen Frau habe ich noch um die 55 Jahre Leben vor mir. Damit bin ich ein Teil der Generation, auf die sich das Bundesverfassungsgericht 2021 bezogen hat. Ja, meine Generation wird die Last der Emissionsminderungen, die wir heute nicht unternehmen, tragen müssen. Deswegen brauche ich, alle anderen und die kommenden Generationen jetzt ihn: den echten Klimakanzler.

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Gorillas: Tod zweier Silberrücken

Der Verlust zweier Silberrücken in nur drei Wochen bedeutet nicht nur für unsere Gorillagruppen einen harten Schlag — sondern für ganz Dzangha-Sangha.

Der Tod der beiden Silberrücken innerhalb so kurzer Zeit war hart für mich. Mata und Mayele, wie die Silberrücken hießen, sind zwei der wenigen wilden Westlichen Flachlandgorillas, die an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt sind. Sie sind die Hoffnung für die Erhaltung der Gorillas. Ich habe zu ihrer Eingewöhnung beigetragen und die letzten elf Jahre meines Lebens dem Schutz der Tiere in Dzanga-Sangha gewidmet. Jetzt sind sie tot — und es muss weitergehen.

Worum geht es bei der Habitierung?

Habituierung ist der Prozess, bei dem wilde Tiere allmählich menschliche Beobachter in ihrer Nähe akzeptieren, ohne in ihren täglichen Aktivitäten gestört zu werden. In Dzanga-Sangha wurden drei Gorillagruppen für den nachhaltigen Tourismus und zu Forschungszwecken an Menschen gewöhnt, um das Überleben der Gorillas zu sichern und gleichzeitig zum Lebensunterhalt der lokalen Bevölkerung beizutragen.

Dzanga-Sangha — Welterbe im Regenwald

Dzanga-Sangha zählt zu den wichtigsten Ökoregionen der Welt. Hier leben seltene und gefährdete Arten wie eben Gorillas oder der Afrikanische Waldelefant. Mit Unterstützung des WWF wurde die Region im Süden der Zentralafrikanischen Republik unter Schutz gestellt und 2012 sogar wegen seiner einzigartigen Bedeutung für den Naturschutz zum UNESCO Weltnaturerbe ernannt. Der WWF ist seit über 25 Jahren in Dzanga-Sangha aktiv. Krieg, Armut, Wilderei und der Raubbau an den Naturschätzen sind die großen Probleme, mit denen wir beim Schutz von Dzanga-Sangha zu kämpfen haben.

Die Gorillas generieren etwa die Hälfte der Tourismuseinnahmen in Dzanga-Sangha. Das Gorilla-Programm ist ein wichtiger Arbeitgeber für die örtliche Bevölkerung. Mehr als 60 Menschen sind darin beschäftigt, darunter über 40 indigene Ba’Aka. Das Programm bringt beträchtliche, dringend benötigte Einnahmen und stärkt die lebenswichtige Verbindung zu den Gemeinden. Es ist somit ein wichtiges Instrument für den Naturschutz.

Die Mata-Gruppe

Mata, ein etwa 32-jähriger Silberrücken, war der Anführer seiner Gruppe in Bai Hokou. “Mata” bedeutet in der Aka-Sprache “nächster Angehöriger” oder “Nachfolger”. Er wurde so genannt, nachdem er das Gebiet besetzt hatte, das zuvor von einer anderen habituierten Gorillagruppe bewohnt wurde. Die Eingewöhnung begann 2010. Die Gruppe wurde aber erst im April 2019 offiziell für Besucher freigegeben, da die Arbeiten an der Eingewöhnung durch die politische Krise in der Zentralafrikanischen Republik unterbrochen wurde. Während dieser Zeit haben wir uns vor allem auf die Sicherheit der schon vollständig habituierten Gruppen konzentriert.

Gorilla Silberrücken Mata, Dzanga-Sangha
Mata kam wahrscheinlich durch einen Sturz ums Leben © Nuria Ortega / WWF

Mata eroberte in seiner aktiven Zeit vier Weibchen und zeugte mindestens sieben Nachkommen. Er war sehr fürsorglich gegenüber seinem Nachwuchs. In den letzten Phasen der Eingewöhnung stieß er seine Jungen jedes Mal von menschlichen Beobachtern weg, wenn er das Gefühl hatte, dass sie ihnen zu nahe kamen. Sein Verhalten war einzigartig für westliche Silberrücken. Zum Beispiel betäubten wir 2018 eines seiner Weibchen, um eine Wildererschlinge aus ihrem Handgelenk zu entfernen. Während der Operation hob Mata den drei Monate alten Nachwuchs auf und kümmerte sich um ihn, bis die Mutter sich erholt hatte.

Die Mayele-Gruppe

Die andere Gruppe lebt in Mongambe, etwa zehn Kilometer entfernt. Sie wird von  Mayele angeführt, dessen Alter wir auf etwa 40 schätzen. Mayele heißt in der Aka-Sprache “gerissen oder raffiniert”. Er wurde von den Ba’Aka-Fährtenlesern nach seiner Gewohnheit benannt, ständig abrupt die Richtung zu ändern, als ob er das Fährtenleserteam während des Gewöhnungsprozesses absichtlich verwirren wollte.

Seine Eingewöhnung begann im November 2005, und die Gruppe wurde 2010 offiziell der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Während seiner Zeit bekam er fünf Weibchen und zeugte mindestens 17 Nachkommen. Im Gegensatz zu Mata war Mayele ein eher entspannter und stressfreier Silberrücken, der seiner Familie manchmal erlaubte, sich bis zu einem halben Kilometer von ihm zu entfernen.  Infolgedessen war seine Gruppe normalerweise weiter im Wald verstreut als andere.

Todesursachen: Sturz und Kampf

Die Todesfälle scheinen in keinem Zusammenhang zueinander zu stehen. Das Spurensicherungsteam in Bai Hokou fand Mata am Morgen des 31. August 2022 tot auf. Die Todesursache ist noch unklar. Er hatte Frakturen am Hals und an den Gliedmaßen. Es gab aber weder Spuren für Wilderei, noch für einen Kampf mit einem anderen Gorilla. Wir glauben, dass er von einem Baum gefallen sein könnte.

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Mayele wurde am Morgen des 20. September schwer verletzt aufgefunden. In der Nacht zuvor kam es vermutlich zu einem Kampf mit einem anderen Silberrücken. Er hatte tiefe Wunden an Kinn, Brust, Armen und Beinen. Seine Unterlippe war vollständig abgebissen. Es waren überall Blutspuren zu sehen. Mayele konnte sich nicht mehr bewegen. Am nächsten Morgen war er noch schwächer. Er hatte sich nicht vom Fleck bewegt. Auch das vom Tierarzt mit einem Pfeil verabreichte Antibiotikum konnte ihm nicht mehr helfen. Mayele starb noch am selben Tag.

Gibt es noch Hoffnung für die Gorilla-Gruppen?

Die Zukunft dieser Gruppen ist jetzt ungewiss. Silberrücken sind das Band, das die Gorillagruppen zusammenhält. Ihr Tod könnte zum Zerfall der Gruppen führen. Mata hinterließ zwei Weibchen und vier Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren. Nur zwei Wochen nach seinem Tod tötete ein Silberrücken, der versuchte, die Gruppe zu übernehmen, eines der Kleinkinder.

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Die Mayele-Gruppe, die mit drei Weibchen und sechs Jungen zurückblieb, hat einen 14-jährigen Schwarzrücken, der die Gruppe noch verteidigen könnte. Es ist jedoch ungewiss, ob er die Gruppe zusammenhalten und ihr nächster Anführer werden kann. In den nächsten Tagen und Wochen wird es noch viel zu beobachten geben.

Interaktionen zwischen den Gruppen, Wanderungen von einzelnen Tieren, Kämpfe zwischen Silberrücken, Kindstötung und Auflösung von Gorillagruppen sind natürliche Phänomene. Das ist für uns nicht schön, aber die Realität in der Gorillawelt.

Die Zukunft des Gorilla-Ökotourismus in Dzanga-Sangha

Die Habituierung von Gorillas erfordert jedoch viel Zeit und Ressourcen. Der mögliche Verlust von habituierten Gruppen wäre für den Ökotourismus verheerend. Das Gewöhnungsprogramm zeigte, dass es sich selbst tragen kann. Es verbessert die Lebensbedingungen der lokalen Gemeinschaft durch Arbeit, Einkommen, Verbesserung sozialer Dienste wie Schulen und ärztliche Versorgung. Auch hilft es traditionelle Fähigkeiten aus einem Leben im Wald der  Ba’Aka-Gemeinschaft zu erhalten. Durch das Projekt haben über 5000 Besuchern die faszinierenden Gorillas gesehen. Vor allem aber hat sich der Schutz der Gorillas in diesem Gebiet insgesamt verbessert.

Der Tod der zwei Silberrücken ist fraglos ein harter Schlag. Wir dürfen jetzt aber auf keinen Fall aufgeben. Wir werden die Habituierung der Gorillas in Dzanga-Sangha fortsetzen.

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Seepferdchen: Schillernde Gestalten und schwangere Männchen

Sie vollführen ausgiebige Liebestänze, passen flirtend ihre bunten Farben einander an und müssen fast durchgehend fressen. Seepferdchen sind die einzigen Tiere, bei denen die Männchen schwanger werden — und die langsamsten Fische der Welt. Das kleinste seiner Art ist gerade mal so groß wie ein Fingernagel und endlich wurden wieder welche in der Nordsee entdeckt! Zehn faszinierende Fakten:

Rollentausch — Die einzigen Tiere mit schwangeren Männchen

Es ist einzigartig in der Tierwelt und für die Forschung hochinteressant: Bei den Seepferdchen tragen die Männchen den Nachwuchs aus.
Vor der Paarung üben die Tiere teilweise wochenlang, synchron zu schwimmen und haken sich mit ihren Greifschwänzen aneinander, damit das Weibchen ihre Eier in eine spezielle Bauchtasche des Männchens spritzen kann. Das Männchen befruchtet die Eier und  in seiner Bauchtasche werden sie mit einem Gewebe umwachsen, das die Atmung der Embryonen regelt und Nährstoffe liefert. Zehn Tage bis sechs Wochen dauert die Schwangerschaft eines Seepferdchens, bevor das Männchen durch Muskelkontraktionen im Seegras die Jungen gebiert: Je nach Art meist 100 bis 200 winzige, mit bloßem Auge kaum sichtbare Seepferdchen-Junge, die sofort auf sich selbst gestellt sind und beginnen, zu jagen. Doch nur etwa fünf von tausend der kleinen Wesen überleben.

Wer bekommt bei den Seepferdchen die Babys? Wer legt die Eier? Wie viele Junge bekommen Seepferdchen?
Einzigartig in der Tierwelt © IMAGO / Bluegreen Pictures

Wie ein Chamäleon

Seepferdchen kommen in den schillerndsten Farben vor – und manche Arten können aktiv ihre Farbe ändern! Zum Beispiel, um sich zu tarnen oder zu flirten: Bei ihren stundenlangen Liebestänzen passen die hübschen Wasserrösser ihre Farben einander an, um Zugehörigkeit zu signalisieren.

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Wie schnell schwimmen Seepferdchen? Was fressen sie?
Langschnäuziges Seepferdchen © Philipp Kanstinger, WWF

Seepferdchen gehören zu den Fischen…

Sie schweben meist senkrecht im Meer, haben keine Schuppen, eine außergewöhnliche Gestalt und ihre Kopfform erinnert tatsächlich an ein Pferd. Trotzdem sind Seepferdchen Fische. Sie gehören zur Familie der Seenadeln und sind mit dem Stichling verwandt.

… aber sie sind sehr schlechte Schwimmer

Seepferdchen haben eine zierliche Rückenflosse zur Fortbewegung und kleine Brustflossen zum Steuern. Sie sind aber keine guten Schwimmer, lassen sich hauptsächlich von der Strömung treiben und gehören zu den langsamsten Fischen der Welt.

Warum sich das Seepferdchen an einem Wattestäbchen festklammert

Plastikmüll, Seepferdchen. Wo leben Seepferdchen?
Wattestäbchen statt Seegras © Justin Hofman / WWF

 

Gerade weil sie so schlechte Schwimmer sind und von Strömungen getrieben werden, klammern sich Seepferdchen mit ihrem Greifschwanz gerne fest. Jedoch normalerweise an Seegräsern oder Korallen und nicht an Plastik. Das traurige Bild mit dem Wattestäbchen hat der amerikanische Fotograf Justin Hofmann vor der Küste Indonesiens aufgenommen. Das Tierchen schwamm in einer Flut aus Müll.

Seepferdchen in Deutschland!

Die ungewöhnlichen Fische bevorzugen warme und flache Gewässer in Küstennähe mit Schutz gebenden Seegraswiesen, Korallenriffen und Mangrovenwäldern. Sie leben vor allem vor Südaustralien und Neuseeland, aber auch im Ärmelkanal, an der europäischen Atlantikküste und im Mittelmeer.

Die Sensation: In letzter Zeit werden immer mal wieder Seepferdchen an der Nordsee gefunden – zum Beispiel angespült am Strand von Wangerooge und anderen Wattenmeer-Inseln. Dabei galten die niedlichen Tiere in der deutschen Bucht als weitestgehend verschwunden, wenn sie überhaupt dort früher regelmäßig vorkamen. Das macht Hoffnung und wir wollen mehr wissen!

Welche Geräusche machen Seepferdchen?

Nun, wiehern werden sie wohl kaum. Aber Seepferdchen sind auch nicht stumm. Sie klicken und grummeln – obwohl sie gar nicht besonders gut hören können. Unter Stress fangen Seepferdchen an zu brummen und zu zittern, wohl um Feinde zu vertreiben. Bei der Balz und auf der Jagd sind unterschiedliche Klicklaute zu hören, mit denen sie sich wahrscheinlich verständigen und synchronisieren.

Seepferdchen müssen ständig fressen

Denn sie haben keinen Magen! Ihre Beute flutscht sozusagen einfach durch sie und ihr Verdauungssystem hindurch. Seepferdchen haben übrigens auch keine Zähne. Trotzdem sind sie kleine Raubtiere und jagen im Wasser schwebend noch viel kleinere Krebse und Plankton, die sie in ihre röhrenförmige Schnauze einsaugen.

Das kleinste Seepferdchen der Welt
Denise-Zwergseepferdchen © IMAGO / Bluegreen Pictures

Das kleinste und das größte Seepferdchen

Das kleinste Seepferdchen der Welt das Denise-Zwergseepferdchen (Hippocampus denise), benannt nach der Unterwasserfotografin Denise Nielsen-Tackett. Das Fischchen lebt im Pazifik zum Beispiel vor Indonesien, hat ein lebendiges Wesen und misst nicht einmal anderthalb Zentimeter.

Das größte Seepferdchen der Welt dagegen bringt es auf bis zu 35 Zentimeter: Das Dickbauchseepferdchen (Hippocampus abdominalis) lebt südöstlich von Australien und in Neuseeland.

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Falscher Heilglaube

Millionen von Seepferdchen werden jedes Jahr aus den Meeren gefischt und teuer verkauft. Ihr Pulver soll laut traditioneller asiatischer Medizin gegen Herz- und Kreislaufbeschwerden, Mattigkeit, Nervosität, Hautausschlag und Atemwegsprobleme helfen. Ein gefährlicher, falscher Heilglaube.

Auch für die Haltung in Aquarien – wo sie übrigens meistens eingehen – werden die niedlichen Tiere gehandelt oder sogar tot und getrocknet als Souvenir verkauft. Dazu kommen Beifang, der Verlust ihrer Lebensräume und die Verschmutzung unserer Meere. Viele Seepferdchen-Arten sind heute gefährdet und könnten aussterben. Jahrelang haben wir vom WWF uns dafür eingesetzt, dass die Seepferdchen inzwischen ins Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) aufgenommen wurden und so besser geschützt sind. Doch der immer noch stattfindende Handel muss trotzdem noch strenger untersucht und überwacht werden.

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COP 27: Was du über die Klimakonferenz wissen musst

Kein Wunder, dass da kaum jemand den Durchblick behält: Am 26.10. haben die Vereinten Nationen zunächst ihren NDC Synthesebericht veröffentlicht. Tags darauf dann die Internationale Energieagentur ihren Energieausblick. Nur wenige Stunden später folgten dann wieder die Vereinten Nationen – diesmal mit dem Emissionsbericht. Dazu kommen zahlreiche Veröffentlichungen von Nichtregierungsorganisationen, wie vom World Resource Institute zum Status der Klimaschutzmaßnahmen. Oder vom International Institute for Sustainable Development zum Pfad zu 1,5 °C – und so weiter, und so weiter.

Diese Flut an Berichten ist ein untrügliches Zeichen: Es ist wieder Prä-COP-Zeit

Vom 6. bis 18. November findet im ägyptischen Sharm el-Sheikh die 27. Klimakonferenz der Vereinten Nationen, kurz COP27 statt. Zwölf Tage, in denen Vertreter:innen der Vertragsstaaten oft bis spät in die Nacht verhandeln, um Formulierungen ringen, Beschlüsse vereinbaren und versuchen die Welt auf einen Pfad zu bringen, in dem die Erderhitzung einen Anstieg um 1,5 Grad nicht überschreitet. Und auch wenn die Klimakrise nicht nur an zwölf, sondern leider an 365 Tagen im Jahr stattfindet, ist die Klimakonferenz ein Meilenstein für die Klimapolitik. Denn sie richtet den Fokus darauf, dass das Wohlergehen aller Staaten von der Begrenzung der Erderhitzung abhängt. Und dass nur im Kollektiv Fortschritte bei der Bekämpfung der Klimakrise erzielt werden können.

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Damit die COP27 aber nun auch zu tatsächlichen Fortschritten beim Klimaschutz führt, braucht es Vorarbeit. Und da kommen wir wieder zur Flut an Publikationen. Sie machen deutlich, wo die Welt gerade steht bei der Senkung der Emissionen und dem Ausbau der erneuerbaren Energien.

Bericht Nummer 1: Der NDC Synthesebericht 

Der NDC Synthesebericht wird vom Sekretariat des Klimarahmenabkommens (UNFCCC) angefertigt. Im Pariser Abkommens haben sich alle Vertragsstaaten dazu verpflichtet alle fünf Jahre nationale Klimaziele (NDCs) auszuarbeiten, mitzuteilen und zu verfolgen. Das Sekretariat analysiert diese Emissionsminderungsziele dann jährlich in seinem NDC Synthesebericht: Wo steht die Weltgemeinschaft insgesamt mit ihren Minderungszielen?

Auf der letzten Klimakonferenz in Glasgow haben sich die Staaten in ihrem „Glasgow Climate Pact“ bereit erklärt, ihre nationalen Ziele nochmal zu überarbeiten und zu verstärken. Ein Jahr später zieht nun der neue NDC Synthesebericht Bilanz. Naja, sagen wir, es ist noch Luft nach oben.  

Gesucht: der Überflieger

Zwar haben 24 Staaten seit der letzten Klimakonferenz neue oder aktualisierte Ziele eingereicht. Darunter sind auch Länder wie Australien oder Brasilien, die vorher sehr schwache NDCs vorgelegt hatten. Allerdings ist das Ergebnis leider immer noch absolut unzureichend. Einige Staaten reichten nämlich nur Pläne und überhaupt keine quantifizierbaren Emissionsreduktionen. Andere geben nicht alle benötigten Informationen ab. Das kumulierte Ergebnis der Ziele ist außerdem weit weg, von dem, wo wir eigentlich hinwollen. Laut Klimasekretariat wären selbst bei der Erreichung aller NDCs bis 2030 fast 90 Prozent des verbleibenden CO2-Budgets, das wir bei der Einhaltung der 1,5‑Grad-Grenze noch haben, verbraucht. Mit den momentanen nationalen Klimazielen steuern wir eher auf eine Erderhitzung von 2,5 °C zu – inklusive katastrophaler Folgen. Es gibt also eine sogenannte Ambitionslücke. Unsere Klimaziele sind viel zu niedrig, auch der UNFCCC schreibt: Es „ergibt sich die dringende Notwendigkeit, entweder die Zielvorgaben für die NDCs bis 2030 deutlich zu erhöhen oder die letzten NDCs deutlich zu übererfüllen“. Oder vielleicht am besten beides?

Bericht Nummer 2: Der Energieausblick

Die Internationale Energieagentur (IEA) und ihr jährlicher Bericht „World Energy Outlook“ meldeten einen Tag nach der UN dann noch etwas positivere Botschaften pünktlich zur Klimakonferenz – wenn auch unter schrecklichen Umständen. So könnte die durch Russlands Krieg ausgelöste Energiekrise zu einem Wendepunkt werden. Überall auf der Welt haben Regierungen die Probleme von fossilen Energien erkannt und fördern den Ausbau von erneuerbaren Energien. Das wiederum schafft Wachstum und Arbeitsplätze. Bis 2030 werden sich laut IEA die Investitionen in erneuerbare Energien verdoppeln: Auf zwei Billionen US-Dollar.  

Das Ende der fossilen Energie?

Außerdem erkennt die IEA erstmals ein Höchststand oder Plateau bei der Nutzung von fossilen Brennstoffen. Ihr Konsum soll demnach bis 2030 zurückgehen und der Anteil fossiler Energien von 80 auf 70 Prozent sinken. Und das ist der Haken: Denn auch hier geht es momentan viel zu langsam vorwärts. 70 Prozent fossile Energien sind immer noch viel zu viel und zwei Billionen Dollar für Erneuerbare zu wenig. Angesichts dessen, dass wir bis zur Mitte des Jahrhunderts emissionsfrei sein müssen. Auch die Internationale Energieagentur weist in ihrem Bericht auf die Ambitionslücke hin. Und dann gibt es ja auch noch eine andere Lücke.

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Bericht Nummer 3: Der UN Emissionsbericht 

Denn nicht nur die Ziele sind zu wenig ambitioniert, sondern leider auch ihre Umsetzung. Diese „Implementierungslücke“ ist Thema des Emissionsberichts der UN. Der Report trägt den treffenden Titel: „The Closing Window“ Die Autor:innen des Berichts sind sehr deutlich: Die Staaten seien nicht mal auf dem Weg, die höchst unzureichenden NDCs zu erreichen. Mit den aktuellen Maßnahmen würden die nationalen Ziele um drei bis sechs Gigatonnen CO2-Äquivalente verfehlt. So steuert die momentane Politik so auf eine Erhitzung von 2,8 °C zu. Damit sei diese dreizehnte Ausgabe des Emissionsberichts ein „Zeugnis der mangelhaften Maßnahmen zur Bewältigung der globalen Klimakrise und ein Aufruf zu einer schnellen Transformation der Gesellschaft“. 

Ist das zuviel verlangt?

Jede Menge Lücken also, die die Staatengemeinschaft schließen muss. Umso wichtiger ist es, dass diese Klimakonferenz stattfindet: Dort können Staaten deutlich machen, dass sie ihre gegebenen Zusagen einlösen und ihre Ambitionen erhöhen. Denn nur gemeinsam kann die Welt verhindern, dass die Klimakrise außer Kontrolle gerät. Gerade Deutschland als Industriestaat, der hohe Emissionen verursacht, trägt eine besondere Verantwortung bei der Bekämpfung der Klimakrise. Die in Glasgow gemachte Zusagen zur Beendigung der internationalen öffentlichen Finanzierung fossiler Energien (für neue Gas- oder LNG-Projekte) darf nicht rückgängig gemacht werden. Stattdessen sollte Deutschland vorangehen beim Klimaschutz, den endgültigen Ausstieg aus fossilen Energien beschleunigen, die Zusagen zur Klimafinanzierung ausbauen und eine Schlüsselrolle bei der Schließung der globalen Ambitions- und Implementierungslücke einnehmen. Ist das zu viel verlangt?

Mehr zu unseren Forderungen für die 27. Klimakonferenz findet ihr hier. Schaut mal rein!

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