Europawahl für Klima, Arten und Waldschutz!
Die Ergebnisse sind mehr als eindeutig. Fast 90 der EU-Europäer wünschen sich neue Gesetze, die sicherstellen, dass die Lebensmittel, die sie essen, und die Produkte, die sie kaufen, nicht die globale Entwaldung antreiben, sagt eine brandneue repräsentative YouGov-Umfrage.
Der Wahlauftrag bei der Europawahl!
Schutz der biologischen Vielfalt mit besseren Gesetzen und besserer Rechtsdurchsetzung – das ist ein wichtiger, von der Mehrheit getragener Auftrag. Am Sonntag können wir dies mit unserer Wahl zum Europaparlament beherzigen. Diese Wahl ist eine Klima- und Biodiversitätswahl!
Waldschutz heißt Klimaschutz!
15 Prozent der von Menschen verursachten CO2-Emissionen gehen allein auf die Entwaldung zurück. In den letzten Jahren sind besonders viele tropischen Wälder durch Feuer verloren gegangen. Das bedeutet einen ungeheure Kohlenstofffreisetzung, die wir uns nach dem Pariser Abkommen nicht mehr leisten können. Stopp der Entwaldung und verbesserter Waldschutz ist dringender Klimaschutz!
Waldschutz heißt Artenschutz!
Der größte Teil der an Land lebenden Arten sind im Wald beheimatet. Stopp der Entwaldung ist dringender Schutz der bedrohten biologischen Vielfalt! Die tropischen Wälder bedecken nur sieben Prozent der Landfläche, beherbergen aber mehr als die Hälfte der Arten der Welt!
Meine Forderungen sind deshalb als Wähler und Konsument:
Auf unserer immer weniger grünen Erde findet der Waldverlust ungebremst statt. Trotz des Pariser Klimaabkommens. Trotz Europäischer Holzhandelsverordnungen und -abkommen, trotz aller Erkenntnisse zum Verlust der biologischen Vielfalt. Wir haben am Sonntag die Wahl, hier die Hebel umzulegen. Kernforderung für Europa ist ein Aktionsplan zum Stopp von Entwaldung und Degradierung unserer Wälder. Dafür brauchen wir:
- Volle Transparenz bei der Herstellung von Lebensmitteln und Holzprodukten: Ist Entwaldung enthalten oder nicht? Das muss auf der Packung stehen. Und auch die Holzarten und die Holzherkunft müssen deklariert werden.
- Wir fordern eine europäische Umweltpolitik, die den Wald als einen der wichtigsten Partner für den Klimaschutz anerkennt. Hierzu bedarf es eines klaren Handlungsrahmens für den Erhalt der natürlichen Wälder und den Schutz der biologischen Vielfalt im Wald. Waldökosysteme können nicht nur Kohlenstoff speichern, sondern die biologische Vielfalt erhöht die Anpassungsfähigkeit und Resilienz des Waldes an den Klimawandel. Das sollte unter anderem durch die Stärkung und bessere Finanzierung des wichtigsten EU-Schutzgebietssystems Natura2000 geschehen. Diese Forderung ist für mich entscheidend für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen!
- Die EU muss dringendst die EU-Holzhandelsverordnung umsetzen! Alle Holzprodukte müssen enthalten sein (und damit auch die Grillkohle) – damit wir unseren Wald nicht auf dem Grill zu Staub verglühen.
Illegaler Holzeinschlag und Handel mit illegalen Holzprodukten ist inzwischen im Finanzvolumen das drittgrößte organisierte Verbrechen weltweit. Am Sonntag haben wir Klimawahl. Wir werden darüber entscheiden, ob wir den Wald weiter ausrauben – oder ob wir ihn als Klimapartner erkennen und seine Leistungsfähigkeit durch eine starke Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitspolitik anerkennen. Ich weiß, was ich wählen werde.
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Europawahl: Wie leben mit Luchs, Wolf, Bär und Vielfraß?
Wolf, Bär, Luchs und Vielfraß sind Große Beutegreifer. Große what? Beutegreifer ist der biologische Überbegriff für sie. Alle sind große Fleischfresser. Ihre Anwesenheit stößt längst nicht überall auf Freude. Nach offiziellen Schätzungen leben derzeit in der EU rund 14.000 Wölfe, 16.000 Bären, 9000 Luchse und 800 Vielfraße.
Über Jahrhunderte waren die großen Tiere in vielen Ländern Europas fast ausgestorben. Doch dank Europa, genauer gesagt dank europäischer Natururschutzrichtlinien wie der Berner Konvention und insbesondere der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH), kehren sie seit rund 20 Jahren in ihre alte, neue Heimat zurück.
Luchs, Wolf und Co sind zurück
Aus Naturschutzsicht eigentlich ein großer Erfolg. Jede Woche hören wir doch, dass weltweit etliche Arten aussterben. Hier in Europa können wir uns über einen Beitrag zum globalen Artenschutz freuen. Doch die Diskussionen über die Rückkehr der großen Wildtiere sind oft hitzig und emotional. Auch in Deutschland leben wieder Luchse und Wölfe. Mit ihrer Ausbreitung nehmen aber auch Konflikte zu. Insbesondere dort wo Wölfe auf ungeschützte Nutztiere treffen, ist Ärger vorprogrammiert. Blutige Bilder von toten Schafen dominieren die Zeitungen.

Doch die Realität beim Zusammenleben von Mensch, Haustier und Wildtier kann auch anders aussehen. Davon sind die Partner des vom WWF Deutschland geleiteten EuroLargeCarnivores Projekt überzeugt. Es ist der Schlüssel zu einer besseren Koexistenz. Länderübergreifender Austausch verlässlicher Daten, Stärkung der Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg und der Austausch von Best-Practice: Eine wahrhafte europäische Aufgabe. Auch weil sich 28 der 32 europäischen Populationen großer Beutegreifer über Ländergrenzen hinweg ausbreiten.
Immer wieder lohnt der Blick in unsere Nachbarländer. Dort wo Wolf, Bär, Luchs und Co nie vollständig ausgestorben waren, haben die Menschen häufig Wege gefunden, sich auf die wilden Nachbarn einzustellen. Um voneinander zu lernen braucht es Europa.
Wie das Zusammenleben funktionieren kann
Gerade in den letzten Tagen haben wir einen Bericht veröffentlicht, in wir verschiedene Perspektiven aus ganz Europa vorstellen. Der Bericht zeigt Herausforderungen und Lösungen im Umgang mit Wolf, Bär, Luchs und Co. Er wurde in 14 Ländern zusammengetragen von Landwirten, Forstwirten, Jägern, Naturschützern, Forschern, Behörden, Politikern und anderen.
Aus den Rückmeldungen geht eindeutig hervor, dass sich viele ein Zusammenleben mit Wolf, Luchs, Bär und Co gut vorstellen können. Was es dafür braucht? Umfangreiche und unbürokratische Hilfe beim Schutz von Nutztieren vor Angriffen durch Wildtiere.
- Praxistaugliche Kompensation im Schadensfall.
- Umfangreiche, ehrliche, aktuelle und sachliche Information und verbesserte Kommunikationswege.
- Regionale Plattformen für einen besseren Austausch zwischen den verschiedenen Interessensgruppen.
- Austausch erfolgreicher Ansätze und Instrumente zur Verhütung und Entschärfung von Konflikten.
- Und ganz entscheidend: eine bessere Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen „Stakeholdergruppen“ und über ideologische und nationale Grenzen hinaus. Dafür brauchen wir Europa.
Was wir bei der Europawahl für Luchs, Wolf und Co wollen
- Weiterhin ein klares Bekenntnis zu den europäischen Naturschutzrichtlinien und dem strengen Schutz großer Beutegreifer: Sie sind Teil der europäischen Identität und bereichern unsere Ökosysteme!
- Vereinfachung von Förder-Regularien: Es gibt zwar Möglichkeiten für die Mitgliedsstaaten und Bundesländer Herdenschutzmaßnahmen über EU-Mittel zu fördern. Es gibt hier jedoch zum Teil hohe bürokratische Hürden wie komplizierte Förderanträge, Fristen oder Deckelung der Förderungssumme für einzelne Betriebe.
- Verbesserung des Austausch von best-practice und Förderung der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Interessensverbänden.
Über das Projekt
Das LIFE EuroLargeCarnivores-Projekt wird von der EU finanziert und soll eine Plattform für den Austausch bewährter Verfahren in den Bereichen des Zusammenlebens von Fleischfressern mit großen Menschenmengen zwischen verschiedenen Interessengruppen in der Europäischen Union bieten. Mehr als 16 Länder kooperieren und tauschen Wissen und Informationen über Grenzen hinweg aus. Dieses Wissen reicht von verschiedenen Ansätzen zur Bewältigung der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen, die mit Wölfen, Bären, Luchsen und Vielfraßen einhergehen, bis hin zu praktischen Lösungen wie dem Schutz der Tiere.
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