Deutschland blockiert das Ende der bleifreien Munition

Blei ist hochgiftig. Wir verbannen Blei zu Recht aus dem Alltag der Menschen. Blei in der Nahrung kann sowohl bei akuten Vergiftungen als auch bei chronischen Dosen zu Schädigungen des Nervensystems oder der Nieren führen. Aber Pflanzen und Tiere sollen weiter Blei ausgesetzt sein. Das ist nicht länger hinnehmbar. Auch und gerade nicht durch bleihaltige Munition.

Seeadler vergiften sich

Ein Beispiel: Die Jagd auf Seeadler ist glücklicherweise verboten. Trotzdem fallen sie in großen Zahlen der Jagd zum Opfer. Ein großer Teil der majestätischen Vögel stirbt an Bleivergiftungen – auch hierzulande! Die Adler fressen die von Jägern an Ort und Stelle ausgeweideten Organe oder aber auch angeschossenes, verendetes Wild — und nehmen dadurch Blei aus Geschossrückständen auf. Das aufgenommene Blei vergiftet die Vögel. Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) zeigen, dass Bleivergiftungen die Todesursache für ein Drittel – in einigen Schutzgebieten sogar für bis zur Hälfte – aller tot aufgefundenen Seeadler sind. Längst nicht das einzige Beispiel, wie die Natur unter dem Blei leidet. Die Zeit ist überreif für ein Komplettverbot der Bleimunition.

Ein stolzes Tier: Seeadler am Schaalsee © Robert Günther / WWF Deutschland
Ein stolzes Tier: Seeadler am Schaalsee © Robert Günther / WWF Deutschland

Tonnenweise Blei in der Umwelt

Jedes Jahr gelangen durch die Jagd Tonnen von giftigem Blei in unsere Umwelt. Mehr als eine Million Wasservögel sterben jährlich in Europa an den direkten Folgen der Bleivergiftung. Untersuchungen zeigen, dass sich das Blei sogar im Sediment der flachen Uferzonen von Gewässern ablagert und sich die Konzentrationen des Giftes dort über Jahre immer weiter erhöhen. Die Wasservögel nehmen die Bleipartikel dann bei der Suche nach Nahrung auf und verenden qualvoll. Das ist völlig unnötig. Längst gibt es sichere und praxistaugliche bleifreie Munition. Seit vielen Jahren setzen wir vom WWF uns zusammen mit vielen anderen Organisationen wie etwa dem NABU für das Verbot bleihaltiger Munition ein.

Ministerin Klöckner blockiert

Ich kann es deshalb kaum fassen, dass jetzt die deutsche Politik querschießt. Wie so oft sind sich Umwelt- und Landwirtschaftsministerium nicht einig. Frau Klöckner blockiert mal wieder- mit fadenscheinigen Argumenten. Deutschland hat angekündigt, sich bei einer EU-weiten Abstimmung über ein Verbot bleihaltiger Munition an Gewässern enthalten zu wollen. Die angekündigte Enthaltung könnte das Abstimmungsverhalten anderer EU-Staaten negativ beeinflussen. Es ist wirklich kaum zu glauben.

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Wir haben deshalb in einem Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner dringend gefordert, der Empfehlung der EU-Kommission, der Europäischen Chemikalienagentur sowie der Position anderer Mitgliedstaaten wie etwa Frankreich unbedingt zu folgen und sich für ein Verbot von bleihaltiger Schrotmunition in Feuchtgebieten einzusetzen.

Die Zeit für ein Verbot ist reif, überreif. Und es ist auch längst an der Zeit nicht mehr konkrete Fortschritte für den nationalen und europäischen Natur- und Artenschutz zu blockieren.

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Rätsel um Elefantensterben in Botswana

Uns erreichen schreckliche Bilder und besorgniserregende Informationen von einem mysteriösen Elefantensterben aus Botswana. Mehr als 350 Tiere sind in Nord-Botswana gestorben. Schon im April wurden verstärkt tote Elefanten im Okavango-Delta gemeldet, mit bis zu 169 toten Tieren. Bis Mitte Juni hat sich die Zahl anscheinend mehr als verdoppelt. 

Noch kaum Proben getestet

Von einem solchen Massensterben von Elefanten habe ich außerhalb von Dürreperioden noch nie gehört. Der botswanischen Regierung liegen entsprechende Testergebnisse noch nicht vor. Wir haben keine Informationen darüber, was die Todesfälle verursacht hat. Und auch nicht, ob sie eine Gefahr für die menschliche Gesundheit oder für die Elefanten der Region darstellen könnten. 

Ursachen des Elefantensterbens noch unklar 

Wir arbeiten nicht in Botswana und ich will hier auch nicht spekulieren. Nur so viel: Die Stoßzähne der verstorbenen Elefanten wurden nicht entfernt. Also fällt Wilderei wohl eher aus. Die beiden Hauptmöglichkeiten des Elefantensterbens bleiben Vergiftung oder ein unbekannter Erreger. Bei Zyanidvergiftungen sterben oft noch Aasfresser (wie zum Beispiel Geier), die sich an den Elefantenkarkassen bedienen. Das wird diesmal nicht berichtet. Es gab auch noch keine Berichte über den Tod von Elefanten aus den Nachbarländern. Der Erreger Anthrax (Milzbrand), welcher bereits in der Vergangenheit zum Tod von Elefanten und anderen Wildtieren wie Flusspferden führte, wurde diesmal laut lokalen Behörden als Ursache ausgeschlossen. 

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Ich als Tierärztin finde ohnehin, dass Wildtiergesundheit eine wichtige Rolle im Artenschutz spielt. Und oft vernachlässigt wird. Gerade in Zeiten, wo alle von Wildtierkrankheiten und Seuchen reden, sollte dies mehr Beachtung finden. 

Was jetzt passieren muss 

Es ist in diesen konkreten Fällen in Botswana wirklich wichtig herauszufinden, warum die Tiere verenden. Damit nicht noch mehr sterben. Wir brauchen schnelle toxikologische Untersuchungen, um eine mögliche Vergiftung auszuschließen. Gleichzeitig müssen Proben auf Infektionserreger untersucht werden. Sektionen von möglichst frischen Karkassen können auch viele Hinweise auf die Todesursache geben. Wie gesagt, wir arbeiten nicht in Botswana. Jedenfalls kann ich nur hoffen, dass dort alle zuständigen Stellen ihr Bestes tun. 

Elefantensterben: Toter Elefant
Was lässt die Elefanten sterben? © imago images / imagebroker

Wir haben vor allem durch Wilderei in den letzten Jahren viele tausend Elefanten verloren. Deswegen setzen wir beim WWF uns mit einer Fülle von Ansätzen für das Überleben der Elefanten ein. Ein weiter eskalierendes Elefantensterben könnte jedoch ein schwerer Schlag für das Überleben der Art bedeuten. 

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