Wenn Fleisch teurer wird, ist das fair!

Kennt ihr diese Killerargumente, die scheinbar jegliche Diskussion beenden? Zum Beispiel: Fleisch darf nicht teurer werden, weil das unfair wäre für Menschen mit geringem Einkommen. Ich finde wir müssen den Begriff der Fairness etwas weiter zu denken.

Zum Thema Fairness gegenüber Menschen mit niedrigen Einkommen frage ich mich oft: Wer sagt eigentlich, dass Menschen mit wenig Geld viel Fleisch mit wenig Tierwohl, dafür aber vielen Antibiotika essen wollen sollen? Was, wenn sie ihrem Körper Biogemüse gönnen möchten, das nicht selten teurer ist als Billigfleisch? Eine gesunde und nachhaltige Ernährung sollte keine soziale Frage sein! Fair fände ich, wenn jede:r die Möglichkeit hätte, sich gut, gesund und nachhaltig zu ernähren – mit frischem Biogemüse, hochwertigen Getreideprodukten, Nüssen, Obst, Hülsenfrüchten und, wenn gewünscht, gelegentlichem Bio- oder Wildfleisch. Sozialpolitik darf nicht auf dem Rücken der Ernährungspolitik ausgetragen werden!

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Mein Verständnis von Fairness schließt auch die Fairness gegenüber der jungen Generation mit ein, die jeden Freitag auf den Straßen für ihre Zukunft demonstriert. Fleisch-Massenproduktion ist mit den Klimazielen nicht vereinbar. Knapp 70 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen entfallen auf Produkte tierischen Ursprungs. Regenwälder, die Lunge unseres Planeten, werden gerodet, damit Sojafuttermittel im großen Stil angebaut werden können. (Soja für menschliche Ernährung stammt hierzulande meist aus Europa).

Tierische Produkte sind der Klimakiller Nummer 1

Fleischkonsum und Tierbestände müssen drastisch reduziert werden, um die Pariser Klimaziele einzuhalten, sagen zum Beispiel das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und das Umweltbundesamt (UBA). Die nachhaltige Wahl muss immer die naheliegendste sein und deshalb darf Fleisch nicht billiger als Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse aus nachhaltigem Anbau sein.

Wollen wir ernsthaft unsere Zukunft aufessen?

Wollen wir ernsthaft den heute jungen Leuten in zwei oder drei Jahrzehnten sagen: Sorry, dass ihr und eure Familien jetzt ständig von Fluten, Dürren und Stürmen betroffen seid? Dass eure Kinder nicht mehr — so wie wir damals — in Seen schwimmen und Wäldern toben können, weil diese leider ausgetrocknet beziehungsweise abgebrannt sind? Sorry auch, dass ihr jetzt Hungersnöte befürchten müsst, weil regelmäßig die Ernte vertrocknet oder in den Fluten versinkt. Aber hey, uns war damals einfach wichtig, dass wir uns den Wanst mit Bergen an Nackensteaks vollhauen. Das versteht ihr doch, oder?

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Ich denke auch an die Fairness gegenüber den Tieren. Unsere WWF-Grillfleisch-Rabattanalyse hat ergeben, dass 98 Prozent des Grillfleisches, das in Supermarktprospekten angeboten wird, von Tieren aus schlechten Haltungsbedingungen in engen Ställen stammt. Ihr Körper kommt zum ersten Mal mit Frischluft in Kontakt, wenn er als Kotelett oder Bratwurst auf dem Grill brutzelt.

Den Preis zahlen alle — auch die Vegetarier

Es geht mir auch um die Fairness, gegenüber der Gemeinschaft aller Menschen. Denn den Preis für das billige Fleisch zahlen nicht nur Fleischesser an der Kasse, sondern auch Leute, die wenig oder gar kein Fleisch essen. Steuergelder fließen nicht nur in die Agrarsubventionen, die Masse über Klasse stellen, sondern auch in die Reinigung von Böden und Gewässern, die durch die Tierhinterlassenschaften mit Nitrat vergiftet sind. Mit unseren Krankenkassenbeiträgen zahlen wir alle für die Behandlung derjenigen, die aufgrund ihres übermäßigen Fleischkonsums krank geworden sind. Diese sogenannten externen Kosten belaufen sich zusammengenommen in Deutschland pro Jahr auf rund sechs Milliarden Euro.

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Im Schnitt essen Menschen in Deutschland doppelt so viel Fleisch, wie laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gesund wäre. Das führt zu Herzkranzerkrankungen, Diabetes, Schlaganfällen und Darmkrebs. Fleischlastiges Essverhalten belastet die Gesundheitssysteme weltweit jährlich mit zusätzlich 285 Milliarden Dollar, wie eine Studie der University of London darlegt. Die Gesundheitskosten für Deutschland wurden noch nie ausgerechnet. Sie dürften nicht nur die Behandlung von Erkrankungen, die direkt im Zusammenhang mit übermäßigem Fleischkonsum stehen, umfassen, sondern auch die Folgen von antibiotikaresistenten Keimen, die durch Massentierhaltung entstehen. All diese Kosten trägt die Allgemeinheit. Meine Brille muss ich selbst bezahlen, obwohl ich für meine angeborene Fehlsichtigkeit nichts kann. Aber damit will ich jetzt gar nicht anfangen…

Auch im europäischen Kontext können wir uns nicht über unfaire Preise beschweren – oder wenn, dann müssten wir zugeben, dass sie hierzulande unfair billig sind: Der durchschnittliche Fleischpreis liegt in Deutschland ganz knapp über dem europäischen Mittelwert. Immerhin überm Durchschnitt, ist doch alles bestens, könnte man jetzt argumentieren. Doch dem gegenüber stehen die höchsten Pro-Kopf-Einkommen von Vollzeitarbeitenden in der gesamten EU.

Fleisch war noch nie billiger

Historisch gesehen war Fleisch in Deutschland noch nie so billig wie in den letzten Jahren. In den 1950er Jahren zahlte man für ein Kilogramm Schweinefleisch 1,6 Prozent des Monatsverdienstes. 1975 waren es ein halbes Prozent. Heute sind es gerade mal 0,22 Prozent. Fleisch ist nur so billig, weil es Massentierhaltung und Massenschlachtung gibt. Als diese in den 1960ern aufkam, war man stolz darauf, den Preis so drücken zu können.

Heute wünschen wir uns bessere Haltungsbedingungen für Tiere und Schlachtung ohne Tierleid. Das gibt es weder zum Nulltarif noch in Massen. Eine Ernährung, die gesund für den Mensch und den Planeten ist, hat ihren Wert.

Fleisch muss aus Gründen der Fairness teurer werden

Zum Beispiel durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7 auf 19 Prozent. Oder einer anderen Abgaben auf tierische Lebensmittel. Die Besteuerung von klimafreundlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte sollte gleichzeitig von 19 auf 7 Prozent gesenkt werden. Mittelfristig sollte es eine differenzierte Nachhaltigkeitssteuer auf Lebensmittel geben. In diese Richtung argumentieren auch andere Akteure in Politik und Wissenschaft, zum Beispiel die Zukunftskommission Landwirtschaft und der Wissenschaftliche Beirat für Agrar und Ernährung sowie das Umweltbundesamt.

Ich finde es ist überfällig: Als eines der reichsten Länder in der EU, ja in der Welt, sollten wir für uns alle ein Ernährungssystem erschaffen, in dem sich Wertschätzung für Tiere, Pflanzen, Böden, Gewässer, Menschen, Umwelt und das Klima widerspiegelt. Oder meinst Du nicht?

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China stoppt Finanzierung von Kohle im Ausland

Dieser Sommer hat einmal mehr gezeigt, wie zerstörerisch Extremwetterereignisse sind, die durch die Klimakrise immer häufiger auftreten. Während die Hochwasserkatastrophe in Deutschland ganze Ortschaften wegriss, litten die Menschen in Teilen Europas, Kanadas und den USA unter brütender Hitze und zerstörerischen Waldbränden. Auch China blieb nicht verschont. In einigen Provinzen fiel dort innerhalb von drei Tagen so viel Regen, wie sonst in einem Jahr. Dutzende Menschen kamen ums Leben. 

China Hochwasser Zhengzhou 2021
Auch China blieb 2021 nicht von Hochwasser verschont Hochwasser: © imago/Xhinhua

Xi fordert mehr Tempo

Man könnte meinen, dass die Bilder auch beim chinesischen Staatschef, Xi Jinping, einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Im Rahmen der gestrigen UN-Generaldebatte forderte Xi mehr Tempo beim Übergang zur treibhausgasneutralen Wirtschaft und sicherte zu, dass China alles tun werde, um das Ziel der Klimaneutralität bereits vor 2060 zu erreichen. Dazu werde das Land den Bau von neuen Kohlekraftwerken im Ausland stoppen und die Finanzierung der Energiewende in den aufstrebenden Ländern des globalen Südens ausbauen. 

Wir begrüßen diesen Schritt. Der Klima- und Energiechef des WWF, Manuel Pulgar-Vidal sprach von einer Trendwende.

Mit einem nüchternen Satz kündigt Xi das an, was wir zusammen mit anderen Umweltorganisationen und Energieexpert:innen bereits seit Jahren fordern: ein Ende der Investitionen in neue Kohlekraftwerke. China ist aktuell weltweit für die meisten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das Land stand, angesichts des jüngsten Berichts des Weltklimarates, zunehmend unter dem Druck der G7 Staaten, die das Aus für neue chinesische Kohleprojekte im Ausland forderten. Zuletzt hatten die Proteste auch in den Ländern zugenommen, in denen Chinas Kraftwerke gebaut werden — darunter sind Bangladesch, Vietnam und Kenia. Weltweit sind mit Hilfe staatlicher chinesischer Banken und Baufirmen Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von mehr als 53 Gigawatt (GW) ans Netz gegangen.  

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In erster Linie ist die Nachricht ein Durchbruch für den Klimaschutz. Immerhin werden nun Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 40 GW, verteilt auf 20 Länder, nicht mehr ans Netz genommen. Das entspricht der Gesamtleistung der deutschen Kohlemeiler. Mindestens genauso wichtig ist auch das Signal an die Kapitalmärkte. Laut der Green Belt and Road Initiative sind mehr als 70 Prozent der globalen Kohlekraftwerke auf Finanzspritzen aus Peking angewiesen. Sollte Chinas Kehrtwende so umgesetzt werden, ist die wichtigste Geldquelle für neue Kohleprojekte weltweit versiegt. Das könnte mittelfristig der entscheidende Sargnagel für die Kohleverstromung sein.  

Globaler Ausstieg aus der Kohle eingeleitet

Klar ist, dass der globale Rückzug aus der Kohleenergie längst begonnen hat. Eine neue Studie des Klima-Think-Tanks E3G zeigt, dass Neubauprojekte für Kohlekraftwerke seit dem Pariser Klimaabkommen um Dreiviertel eingebrochen sind. 

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44 Länder haben sich seit 2015 gegen neue Kohlekraftwerke positioniert. In weiteren 40 Ländern wären derzeit ohnehin keine Kohlekraftwerke in den entscheidenden Projektphasen. Die Schwelle liegt hier also niedrig, sich ebenfalls endgültig von neuen Kohleprojekten loszusagen. Insgesamt seien seit 2015 unglaubliche 1175 GW an Kohlestrom-Kapazitäten nicht ans Netz gegangen. Das entspricht in etwa der gesamten Kohlekraftkapazität Chinas. Möglich gemacht wurden diese Schritte nicht nur durch Trendwenden in der Klima- und Energiepolitik vieler Länder. Unlängst hat sich auch der Kapitalmarkt von der schmutzigsten Form der Energieversorgung abgewendet. Schließlich treiben auch Umweltorganisationen und die Zivilgesellschaft den Wandel in entscheidendem Maße voran.   

WWF Grafik Sinkende Investitionen in fossile Energie
Die Investitionen in fossile Energie gehen zurück © WWF

Diese Fragen bleiben noch offen 

China bleibt der Dreh- und Angelpunkt, wenn es darum geht, wirksame Energie- und Klimapolitik auch auf internationalem Niveau voran zu bringen. Selbst wenn wirklich Schluss sein sollte mit chinesischen Investitionen in neue Kohleprojekte im Ausland, bleiben viele Fragen offen. So nannte Xi in seiner Rede kein Datum, ab dem die Finanzierung internationaler Kohlekraftprojekte eingestellt wird. Fraglich bleibt auch, ob es sich dabei ausschließlich um Projekte handelt, die sich noch in der Planung befinden – oder ob auch im Bau befindliche Kohlekraftwerke betroffen sind. Zudem ist unklar, inwieweit sich die Aussage auf staatliche oder private Unternehmen bezieht. 

Auch in China selbst ist noch einiges zu tun: Allein im vergangenen Jahr gingen innerhalb Chinas Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von rund 38 GW ans Netz – das Dreifache der weltweit neu gebauten Kapazitäten. Laut eines Expertenberichts der Initiative Carbon Tracker sind weitere Kohlekraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 187 GW in der Pipeline. Das entspricht mehr als der Hälfte der weltweit im Bau befindlichen Kohlekraftkapazitäten. Kohle ist im chinesischen Strommix noch der wichtigste Energieträger – und die neu gebauten Kraftwerke haben Laufzeiten von bis zu 50 Jahren.

Sonnenkraftwerk in China © imago/Xinhua/Gao Han

Gleichwohl sind auch Chinas erneuerbare Kapazitäten ebenfalls in beträchtlichem Umfang gewachsen. Es drängt sich also die Frage auf, wann China auch innerhalb seiner Landesgrenzen die Abkehr von der Kohleverstromung konsequent vollzieht. 

Ein Signal vor dem Klimagipfel

Xi Jinpings Ankündigung kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. In wenigen Wochen findet der G20-Gipfel in Rom statt, bei dem es unter anderem darum geht, den klimaschädlichen Subventionen ein Ende zu setzen und die benötigte Klimafinanzierung zu entfesseln. Im November folgt der Klimagipfel in Glasgow. China ist eines der Schüsselländer, wenn es darum geht, die Erderhitzung zu begrenzen und die Klimaziele einzuhalten. Wie viele andere werden wir daher genau beobachten, inwiefern den ambitionierten Plänen nun auch Taten folgen.

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Klimakrise im Wahlkampf: Jetzt mal ehrlich!

Sollte sich hier jemand finden, der zu wirklich allen Bundestagswahl-Talks eingeschaltet hat: Kompliment. Denn es waren viele. One-on-ones, Trielle, große Runden: Es kann sich nun wirklich niemand beklagen, dass die Kandidat:innen für die Bundestagswahl nicht ausreichend auf den Prüfstand kamen. Oder doch?

In mancher Hinsicht schon. Denn beim Thema Klimakrise – eines der drängendsten Themen unserer Zeit – gingen die Debatten oft am eigentlichen Punkt vorbei. Und der ist, das möchten wir nach den vielen Debatten kurz vor der Wahl am 26.9. nun ein für alle Mal deutlich sagen: Die Klimakrise kostet unfassbar viel Geld. Sie sorgt für immense soziale Schieflagen. Sie beraubt uns unserer Freiheit. Das gilt umso mehr für unsere Kinder und Enkel.

Klimaschutz dagegen ist die preiswertere Lösung. Die soziale Lösung. Die freiheitliche Lösung.

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In den Gesprächen schien hingegen oftmals der Klimaschutz das Problem zu sein, das Kosten verursacht. Die Klimakrise und ihre Folgen wurden dahinter ausgeblendet. Was für eine verkehrte Welt. Wie heikel, kurz vor so einer wichtigen Wahl.

Ja, der Umbau kostet Geld

Die Wahrheit ist – und es bringt nichts, drum herum zu reden oder gar etwas verschleiern zu wollen, die Bürger:innen kommen schon mit der Wahrheit zurecht – nein, sie haben sogar ein Recht darauf: Der Umbau hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft wird Geld kosten. Er wird manche Jobs überflüssig machen. Er wird auch ordnungsrechtliche Maßnahmen benötigen (Achtung, Verbote!).

Der Nicht-Umbau kostet uns fast alles

Aber: Der Nicht-Umbau – und er ist gleichbedeutend damit, die Klimakrise weiter anzuheizen – wird uns fast alles kosten. Da reden wir nicht mehr nur über Milliarden Euro und Jobs. Sondern auch über unsere Gesundheit. Über unser Leben, das unserer Kinder. Bei der Flutkatastrophe diesen Sommer haben mehr als 180 Menschen ihr Leben verloren. Hitze und Dürren belasten unser Wohlergehen, die Lebensmittel- und Wasserversorgung. Die Überlebensfähigkeit von Landwirt:innen.

Der Umbau eröffnet Chancen

Mit ihm geben wir Geld nicht für die Schadensbegrenzung aus, wie nach dem Hochwasser. Wir bauen Zukunftsmärkte. Fördern Innovationen und soziale Gerechtigkeit. Und sichern Freiheiten für unsere Kinder.

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Einmal auf die Zahlen geschaut: Für den klimafreundlichen Umbau unserer Wirtschaft veranschlagt das Beratungsunternehmen McKinsey Investitionen in Höhe von 240 Milliarden Euro bis 2045. Dann ist der Umbau quasi fertig.

Dagegen gerechnet: Eine Tonne CO2 verursacht laut Umweltbundesamt Umweltschäden in Höhe von 195 Euro. Und das ist eine konservative Annahme. Großbritannien geht seit kurzem von Kosten in Höhe von 300 Euro pro Tonne CO2 aus, wenn es Projekte bewerten und Entscheidungen treffen muss. Deutschland hat 2020 739 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen. Macht für das Jahr rund 222 Milliarden Euro und ein paar Zerquetschte.

Ja, auf den ersten Blick ein paar Milliarden weniger. Aber folgendes gilt es zu beachten.

  1. 2020 lagen die Emissionen aufgrund der Pandemie niedriger als erwartet, 2021 sind die Zahlen schon wieder rasant angestiegen.
  2. Die Folgen der Klimakrise verschlimmern sich, wenn nicht ausreichend dagegen unternommen wird. Dann gibt es Extremwetterereignisse wie das „Jahrhunderthochwasser“ mit Schäden von rund 5,5 Milliarden Euro allein für versichertes Eigentum längst nicht mehr nur einmal im Jahrhundert.
  3. Gar nicht eingerechnet, weil extrem schwierig: Kipppunkte. Was passiert, wenn zu viel Gletschereis schmilzt und Dynamiken in Gang kommen, die nicht mehr aufzuhalten sind?

Diese Kosten fallen außerdem auf ewig an. Das macht die Rechnung doch einfach. Nehmen wir jetzt Geld in die Hand, um eine lebenswerte Zukunft zu schaffen? Oder geben wir das Geld nur reaktiv aus, um die Schäden der Klimakrise zu bezahlen?

Gleiches gilt für die Freiheitsdebatte. Welche Freiheit beanspruche ich, wenn ich mit meinem SUV mit 200 km/h über die Autobahnen rase, wenn meine Kinder dafür in ihren Möglichkeiten extrem eingeschränkt sein werden – wo sie wohnen können, mit welchen Krankheiten sie leben müssen? Was mute ich ihnen damit zu?

Deutschlands Rolle in der Welt wurde GAR NICHT  thematisiert.

Was für eine Leerstelle auch in Bezug auf die Klimakrise. Deren globale und außenpolitische Dimension kam ebenso wenig vor in den Debatten wie die absolut zentrale Rolle der EU für klimapolitischen Fortschritt. Und die in der Vergangenheit oft mangelhaft wahrgenommene deutsche Verantwortung dafür.

Was überhaupt fehlt in der deutschen Debatte und der europäischen: ein ehrlicher und empowernder Blick auf den reichen Erfahrungsschatz mit wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Transformation, den der Osten dieses Landes und des ganzen Kontinents zu bieten hat. Daraus lohnt es sich zu lernen.

Bitte ehrlich!

Zukunfstwahlcheck WWF Welche Partei will was?
Welche Partei will was?

Es wäre wünschenswert gewesen, wenn diese Debatten im Wahlkampf ehrlicher geführt worden wären. Apropos ehrlich: Wir vom WWF haben die Wahlprogramme der demokratischen Parteien im Bundestag übrigens einmal genau unter die Lupe genommen – für die Entscheidung am Sonntag noch eine kleine Hilfe: unser WWF Wahlcheck.

Und wer noch mehr Hilfe bei der Entscheidung braucht und noch nicht genug von den TV-Debatten hat, dem legen wir die WWFthinks sehr ans Herz.

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