Pangolin: Fakten über die Schuppentiere

Jetzt reden gerade sehr viele Menschen über Pangoline. Weil der Coronavirus COVID-19 ursprünglich von einem Schuppentier stammen könnte. Vielleicht oder sogar wahrscheinlich, bewiesen ist das noch nicht. Wir haben auch schon oft über Schuppentiere berichten müssen. Weil die acht Arten die meistgeschmuggelten Säugetiere der Welt sind. Alle sind sie inzwischen bedroht. Es ist denkbar, dass Pangoline auch immer wieder auf den inzwischen zurecht berüchtigten Wildtiermärkten Chinas gehandelt wurden. “Die Rache des Schuppentiers”, titelt die sonst so bedächtige FAZ.

Schuppentiere erzielen auf den asiatischen Märkten hohe Preise, weil ihre Schuppen in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet werden. Weil ihr Fleisch, ja sogar ihre Föten, irgendwelchen Menschen als Delikatesse gilt. Weil ihr Leder begehrt ist. Neuere Analysen von Traffic und IUCN zeigen, dass neben Asien auch die USA häufiges Ziel der gut organisierten Schmugglernetzwerke sind. Europa wiederum ist ein wichtiger Umschlagplatz.

Folge uns in Social Media

Facebook
Twitter
Instagram
YouTube
RSS

Allein zwischen 2000 und 2016 wurden weltweit mehr als 1,1 Millionen Schuppentiere illegal gehandelt. Ungezählt bleiben die Pangoline, die auf den lokalen Märkten Asiens und Afrikas landen.  Gut möglich, dass die Schuppentiere verschwinden, weil sie schlicht aufgegessen werden und ihre Schuppen in vermeintlicher Medizin landen. Pangoline sind neben Nashörnern, Tigern und Elefanten  Symboltiere der weltweiten Wildereikrise.

Wir beim WWF trauern um jede Art, die durch menschliche Gier oder Dummheit ausstirbt. Wir kämpfen dafür, dass es nicht passiert. Aber für die Schuppentiere wäre es vielleicht sogar besonders schade. Sie sind nämlich aus vielen Gründen besonders einzigartig.

Vierbeiner zweibeinig

Acht Schuppentierarten gibt es. Die meisten Pangoline sind etwa so groß wie Hauskatzen. Zwei afrikanische Arten können aber auch ein Gewicht von 20 bis 30 Kilogramm erreichen. Die Hinterbeine der Schuppentiere sind besonders kräftig und länger als die Vorderbeine. Auf ihnen kann das Schuppentier auch zweibeinig gehen und stehen.

Pangolin oder Schuppentier in Verteidigungshaltung
Guter Schutz — nur nicht gegen den Menschen © naturepl.com / Jen Guyton / WWF

Ameisen, Termiten, Ameisen, Termiten

Der Speiseplan eines Schuppentiers ist ziemlich einseitig: Es gibt fast immer Termiten oder Ameisen. Oder aber wieder Termiten… Das schmälert den Appetit nicht: Auf ihren nächtlichen Touren fressen Schuppentiere 300 Gramm bis zu zwei Kilogramm kleiner Krabbler.

Riesenzunge

Auf der Pirsch nach Ameisen und Termiten brechen Schuppentiere mit den Krallen die Bauten auf. Riesenschuppentiere können mit ihren kräftigen Krallen drei Zentimeter starke Zementwände und Metallplatten zerstören! Dann kommt das Hauptwerkzeug zum Einsatz. Die lange, klebrige Zunge schleckt die leckeren Tierchen auf. Je nach Art ist die Zunge 15 bis 70 Zentimeter lang. Das Riesenschuppentier kann seine Zunge ganze 40 Zentimeter ausfahren!

Schuppen, Schuppen, Schuppen fast überall

Wie eine Rüstung sieht es aus, das Schuppenkleid des Pangolins. Je nach Art besteht er aus mehreren hundert bis tausend einzelnen, dachziegelartig angeordneten Schuppen. Meist haben sie eine dreieckige Form und scharfe Kanten. Bis auf Gesicht, Bauch und die Innenseiten der Arme und Beine sind alle Körperteile des Pangolins damit geschützt.

Nachwachsende Verteidigung

Rollt sich der Pangolin zusammen stehen die scharfen Enden der Schuppen ab. Nun ähnelt das Schuppentier einem riesigen, halb geöffneten Tannenzapfen. Deswegen wurde es auch schon Tannenzapfentier genannt. Besonders praktisch: Die Schuppen wachsen, genau wie unsere Finger- und Fußnägel, ständig nach.

Die Tragödie mit der guten Verteidigung

Bei Gefahr rollen sich Schuppentiere zusammen und haben kaum noch jemanden zu fürchten. Außer eben dem Menschen. Der kann die Tiere dann einfach aufsammeln. Vielversprechender gegen Menschen könnte die zweite Methode der Schuppentiere sein: das Versprühen eines übelriechenden Sekretes aus den Analdrüsen, ähnlich den Skunks. Hat sich aber leider noch nicht zu allen Schuppentieren herumgesprochen.

Kung Fu Pangolin

Pangoline können sogar Kung Fu, wie sie hier in einem Clip gegen die Wilderei mit Jackie Chan zeigen:

Schuppentier oder Pangolin?

Im Deutschen sagen wir aus nachvollziehbaren Gründen Schuppentier. Pangolin wird aber auch immer öfter benutzt. Es kommt vom malaiischen Wort pengguling, was “einer, der sich zusammenrollt” bedeutet.

Ameisen unzerkaut

Schuppen reichlich, aber Zähne haben Schuppentiere im Lauf der Evolution verloren. Weshalb die Ameisen und Termiten unzerkaut im Magen landen. Der Magen ist durch ein verhorntes Gewebe geschützt. Muskeln zerreiben die Leckerbissen schließlich mit Hilfe von ebenfalls aufgeschleckten Steinchen und Sand. Bevor es dann in den Darm geht, zermahlen verhornte Stacheln die hartnäckigen Bestandteile der Nahrung.

Einzelkinder, Rückenreiter

Schuppentiere sind Einzelkinder. Meist kommt nur ein einziges Junges auf die Welt. Die Schuppen sind noch weich und härten erst in den nächsten Tagen aus. Die ersten Tage oder Wochen verbringt das Junge im Bau der Mutter, dann darf es auf ihrem Schwanz oder Rücken reitend die Welt erkunden. Droht Gefahr, rutscht es auf den Bauch der Mutter und wird schützend mit ihrem kräftigen Schwanz bedeckt. Nach etwa fünf Monaten geht der kleine Pangolin schon auf eigene Wege.

Pangolin oder Schuppentier mit Kind
Heute muss das Einzelkind mal laufen © naturepl.com / Roland Seitre / WWF

Liebe à la Schuppentier

Pangoline sind scheu. Wie die Schuppentiere Kinder machen, darüber weiß man nicht allzu viel. Es konnte aber schon häufiger ein Paarungsritual beobachtet werden. Männchen und Weibchen simulieren zunächst einen Kampf, bei dem sie ihre Brustkörbe aneinanderhauen. Irgendwann klammert sich das Weibchen dann an den Schwanz des Männchens und wird von ihm zum Paarungsplatz gezogen – jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Was Schuppen und Gürteltier unterscheidet

Gürteltiere aus den Familien Dasypodidae oder Chlamyphoridae und Schuppentiere aus der Familie Manidae werden des Öfteren verwechselt, sind aber nicht verwandt. Sie haben aber eigentlich nur ihre Panzerung und den Hunger auf Ameisen gemeinsam. Gürteltiere haben allerdings einen knöchernen Außenpanzer und einen über Ameisen hinausgehenden abwechslungsreichen Speiseplan. Merken kann man sich aber leicht: Schuppentiere leben in Afrika und Asien, Gürteltiere in Amerika. Gürteltiere haben meist gut sichtbare Ohren, beim Schuppentier sind sie eher versteckt.

Erfolgreicher Sonderweg der Evolution

Schuppentiere sind die einzigen schuppentragenden Säugetiere. Sie sind aber kein Treppenwitz der Evolution wie vielleicht das australische Schnabeltier, sondern flexibel, anpassungsfähig und erfolgreich bei der Besiedlung verschiedenster Lebensräume. Sie leben von Ostasien bis nach Westafrika. Manche Schuppentierarten bleiben lieber auf dem Boden. Manche gehen gerne auf Bäume. Während das Langschwanzschuppentier sich im tropischen Regenwald Zentralafrikas von Baum zu Baum hangelt, zieht das Steppenschuppentier durch weite Savannenlandschaften. Schuppentiere fühlen sich in den unterschiedlichsten Lebensräumen wohl. In Sümpfen, in dichten Wäldern oder offenen Buschländern. Eben dort, wo es ein reiches Vorkommen an Ameisen und Termiten gibt.

Pangolin Schuppentier: Polizei mit Körben von beschlagnahmten Schuppen
Wie viele Pangoline musstren dafür sterben? © traffic

Und was macht der WWF?

Wir setzen uns für starke nationale Gesetze und eine stärkere Durchsetzung ein. Um sicherzustellen, dass sich Wilderei und Wildartenkriminalität nicht auszahlen. Und dass die Wilderer am Ende gefangen werden, nicht die Schuppentiere.

Zudem unterstützen wir Markt- und Handelsanalysen, um zu erfahren, wo Schuppentiere illegal angeboten werden oder ob zum Beispiel die Schmuggelrouten auch über Deutschland führen. Spoiler: ja.

 

Der Beitrag Pangolin: Fakten über die Schuppentiere erschien zuerst auf WWF Blog.

Bonobos: Matriarchat und Sex für den Frieden

Frieden statt Krieg, Sex statt Gewalt, Matriarchat statt Machos: Bonobos sind zusammen mit den Schimpansen die engsten Verwandten von uns Menschen. Aber sie haben sich für einen anderen Weg entschieden. Während Schimpansen zu Gewalt neigen, gelten Bonobos als friedlich und freundlich, haben ein ausgefeiltes Sozialverhalten und lösen Konflikte in der Gruppe mit Zärtlichkeiten. Nicht das einzig Erstaunliche aus dem Leben der Bonobos:

Die Liebe besiegt alles

Sex ist für die Bonobos enorm wichtig – und keineswegs nur für die Fortpflanzung gut. Sex reguliert das Sozialleben und entspannt Konflikte. Bonobos, egal ob Männchen oder Weibchen, haben mehrmals täglich Sex, unabhängig von Geschlecht, Alter, Verwandtschaft und Status. Und dabei sind sie sehr einfallsreich: Verschiedene Stellungen, Petting, wilde Küsse, Selbstbefriedigung usw. Unter Weibchen ist das GG rubbing der Hit, das gegenseitige Reiben der Geschlechtsorgane. Das ist wohl gut für den Stressabbau und enge Bindungen. Und eine enge Bindung ist für die Bonobo-Weibchen besonders wichtig.

Sex im Kongo: Bonobos bei der Paarung
Sex macht Frieden — zumindest bei den Bonobos © USO / iStock / Getty Images

Frauenpower

Männerherrschaft? Nicht bei den Bonobos. Hier herrscht das Matriarchat. An der Spitze der Rangordnung stehen meist ein Alpha-Weibchen — und ihr Sohn. Die Rangordnung ist aber recht flexibel. Häufig werden die Gruppen mit ihren bis zu 80 Mitgliedern von in etwa gleichberechtigten Bonobos gemeinsam angeführt.

Kontakte helfen

Die Weibchen sind den Männern zwar körperlich unterlegen, halten aber zusammen. Der soziale Status ist abhängig von starken Bindungen zu anderen Weibchen. Ältere Weibchen sind in der Regel ranghöher als jüngere. Weibchen, die noch keinen Nachwuchs haben, sind zunächst rangniedrig. Männchen kooperieren weit weniger miteinander.

Muttersöhne

Die Bindung zwischen Mutter und Kind ist bei Bonobos und Schimpansen besonders innig. Bonobokinder werden mehrere Jahre lang gesäugt. Besonders die Männchen fühlen sich dann auch zeitlebens sehr mit der Mutter verbunden. Die Muttersöhne bleiben gewöhnlich in der Gruppe, in der sie geboren werden. Die jungen Weibchen ziehen zur Familiengründung in die Welt — oder auch einfach nur in die Nachbargruppe.

Mariarchat und Sex im Kongo: Bonobos bei der Liebe
Die Bindung zwischen Mutter und Kind ist besonders innig Sex macht Frieden — zumindest bei den Bonobos © USO / iStock / Getty Images

Mit Mutterliebe auf Brautschau

Die Mutterliebe geht bei Bonobos noch ein wenig weiter als bei den (meisten) Menschen: Bonobomütter helfen ihren Söhnen aktiv bei der Brautschau. Immer wieder wird Sohnemann in die Nähe fruchtbarer Weibchen bugsiert. Nebenbuhler vertreibt Mama resolut. Der Erfolg ist beachtlich: Durch mütterliche Kuppelei steigt die Aussicht der Söhne auf Vaterschaft um etwa das Dreifache, zeigen Ergebnisse vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Die Töchter können hingegen nicht auf Hilfe der Mütter zählen.

Galant im Regenwald

Männchen zeigen Weibchen gegenüber nur sehr selten Aggressivität. Zwischen Männchen kann es hingegen auch mal krachen — wenn auch in moderater Intensität. Gegenseitige Tötungen sind bei Bonobos nicht bekannt.

Keine Kameras, bitte

Bei aller Freizügigkeit scheinen Bonobos ihre Privatsphäre zu schätzen. Kameras in ihrem Lebensraum mögen sie nicht. Wissenschaftler:innen der Max-Plack-Gesellschaft wollten wissen, wie Menschenaffen mit Kamerafallen in ihrem Lebensraum umgehen. Dabei reagierten Schimpansen und Bonobos völlig verschieden. Bonobos fühlen sich von Kamerafallen gestört. Sie näheren sich ihnen nur zögerlich oder halten sich sogar absichtlich von ihnen fern. Schimpansen hingegen ignorieren die Kameras oder begegnen ihnen mit Neugier.

Junge Affen sind dabei auf jeden Fall neugieriger als ihre erwachsenen Artgenossen. Sie schauten umso länger in die Kameras, wenn sie allein unterwegs sind.

Mit Schirm und Charme

Bonobos leben ausschließlich in den Regenwäldern der Demokratischen Republik Kongo. Und wie der Name schon sagt regnet es dort sehr häufig. Das scheint manchen Bonobos durchaus auf die Nerven zu gehen. Bei starkem Regen nutzen Bonobos manchmal Schirme und Hüte aus Blättern.

Bonobos reden wie Babys?

Beim Essen, Laufen, Ruhen oder Streiten: Bonobos verständigen sich in vielen verschiedenen Situationen mit Rufen. Diese sehen Wissenschaftler:innen der Universität Neuchâtel im Journal PeerJ als mögliche Übergangsform zur Sprache, vergleichbar mit der Kommunikation menschlicher Säuglinge. Andere Forscher sehen darin Signale, um den Gruppenzusammenhalt zu stärken. Das machen aber auch andere Tiere wie etwa Erdmännchen.

Kein Paradies für Bonobos

Sex, Frieden und stets reichlich zu Fressen: Die Heimat der Bonobos im Kongobecken könnte ein Paradies sein. Ist es aber längst nicht mehr. Dafür sorgt der Mensch. Bonobos kommen nur in einem von Flüssen begrenzten Gebiet in der Demokratischen Republik Kongo. Und die Regenwälder des Kongos werden leergejagt für Buschfleisch, sie werden gerodet für Holz, für Ackerflächen, für Rohstoffe.

Folge uns in Social Media

Facebook
Twitter
Instagram
YouTube
RSS

Laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN gelten Bonobos wie viele andere Affenarten als stark gefährdet. Wir gehen von nur noch 15.000 bis 20.000 Bonobos in der Wildnis aus. Die Datenlage ist aber noch dünn. Der Salonga-Nationalpark beheimatet wahrscheinlich mehr als die Hälfte der gesamten Bonobopopulation. Der WWF hat nicht zuletzt deswegen 2015 das Comanagement von Salonga übernommen.

Liebe und Matriarchat am Kongo: Bonobo in seinem Baum
Hallo Verwandter! © Karine Aigner / WWF

Essen ist wichtig – und wird geteilt

Bonobos denken nicht immer nur an das Eine, auch Essen ist enorm wichtig. Bis zu zwei Drittel des Tages widmen sie der Nahrungssuche und dem fressen. Und verhalten sich dabei vorbildliche: Bonobos teilen ihre Nahrung mit allen Gruppenmitgliedern, unabhängig von der Verwandtschaft.

Bonobos fressen andere Affen

Bonobos fressen in erster Linie Früchte und Blätter. Sie sind aber bei aller Liebe keineswegs ausschließlich friedvolle Vegetarier. Bonobos fressen auch gerne mal Fleisch. Andere Affen sollten sich tunlichst von ihnen fernhalten: Forscher:innen vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Biologie in Leipzig haben Bonobos dabei ertappt, wie sie Jungtiere anderer Affenarten erbeutet haben. Sie beobachteten im Salonga-Nationalpark mehrmals die Jagd auf Jungtiere anderer Primaten – die sie dann bei lebendigem Leib auffraßen…

Fieslinge bevorzugt

Zu lieb darf es dann doch nicht sein. Bonobos bevorzugen eindeutig Fieslinge, heißt es im Fachblatt „Current Biology“. Bonobos konnten in verschiedenen Tests eindeutig zwischen zwei Charakteren unterscheiden, Sie bevorzugten dann aber mehrheitlich die Rüpel. Ihre Präferenz für den Bad Guy stieg, je schlechter der sich verhielt. Die Forscher vermuten, dass Bonobos Grobheit als hohen sozialem Status interpretieren. Sie stellten sich dann aus Opportunismus auf die Seite der Tunichtgute — um nicht selbst gemobbt zu werden.

Menschen hingegen ächten Flegel sozial – eine einzigartige Fähigkeit, die das Zusammenleben in Gruppen ermöglicht, vermutet die Forschung. Was diesen Punkt angeht sind Menschen also eindeutig die besseren Affen.

Der Beitrag Bonobos: Matriarchat und Sex für den Frieden erschien zuerst auf WWF Blog.