Tiere: Überleben im Winter

Winter bedeutet für Tiere Schnee, Nahrungsmangel, kurze Tage, kalte Nächte. Um das zu überleben braucht es Strategien von Fell bis Fett und Frostschutzmittel.

Alle Tiere haben ein ähnliches Problem: Sie brauchen mehr Energie gegen die Kälte – und sie finden aber weniger energiereiches Futter. Um diesem Dilemma zu entgehen braucht es Strategien. Wir stellen hier einige vor.

Ab in Haus

Wir Menschen machen es uns im warmen Haus gemütlich, wenn es irgendwie geht. Insekten machen es so ähnlich. Man sieht sie nicht momentan, aber sie sind da: Die allermeisten verfallen in eine Kältestarre und überstehen so den Winter. Sie verstecken sich im Holz, in Laubhaufen, Mäuselöchern oder suchen gezielt kleine Ritzen in unseren Häusern. Einzeln oder auch in Massen wie etwa der Asiatische Marienkäfer in unseren Fensterrahmen. Bis es wieder wärmer wird.

Asiatischer Marienkäfer am Haus
Asiatische Marienkäfer auf der Suche nach einem Winterquartier © Ian_Redding / iStock / Getty Images

Bei den Wespen sterben im Herbst alle Tiere. Mit Ausnahme der jungen Königinnen, die im Frühling wieder einen neuen Staat gründen.

Die Larven der Wildbienen überwintern in der Erde oder in Totholz in hohlen Pflanzenstängeln. Deshalb bitte im Garten abgestorbene Blumen etc gerne stehen lassen, die Wildbienen freuen sich! 

Tür zu!

Wenn man schon ein Haus hat macht man es auch winterfest. Wie die Weinbergschnecken. Auf den Eingang zum Schneckenhaus kommt ein Kalkverschluss, das sogenannte Epiphragma. Tür zu, Stoffwechsel auf ein Minimum herunter, und auf die wärmende Frühlingssonne warten.

Energiesparen auf allen Wegen

Bei ihren Wanderungen nehmen Tiere bei Schnee gerne auch die leichtere Route. Also auf Waldwegen oder an Straßen entlang. Das ist zwar gefährlicher, aber eben einfacher, als durch den tiefen Schnee zu stapfen. Nebeneffekt für den Naturfreunde: Die Chance im Wald Tiere zu sehen ist im Winter höher als in den wärmeren Jahreszeiten.

Kuscheln hilft

Das schönste am Winter: Kuscheln. Das finden nicht nur Menschen, für viele Tiere ist das Überlebensstrategie. Wildschweine rotten sich eng zusammen, gerne in einem gepolsterten Kessel aus trockenem Gras oder Reisig.

Auch manche Vögel bilden Schlafgemeinschaften gegen die Kälte. Vor allem kleine Vögel wie Gartenbaumläufer, Zaunkönige und Wintergoldhähnchen rücken zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Nur fair: Regelmäßig werden die Plätze in der warmen Mitte getauscht. Das ist bitter notwendig, aber nicht ausreichend: In einer einzigen Winternacht kann ein kleiner Vogel bis zu zehn Prozent seines Körpergewichts verlieren kann. Vögel brauchen daher dringend energiereiches Futter.

Zittern für die Königin

Auch Bienen nutzen die Kuschel-Strategie: Im Winter rücken die Bienen ganz eng zusammen. Sie bilden mit ihren Körpern eine Art Kugel, die sogenannte Wintertraube. Am äußeren Rand erzeugen die Bienen Wärme durch Vibrieren. Vorbildliches Teamwork: Die Bienen außen werden immer wieder von den aufgewärmten Bienen abgelöst. In der Mitte sitzt die Königin bei lauschigen 25 Grad in der Wärme.

Bienen können sogar aktiv heizen: Fällt die Temperatur im Bienenstock unter 10 Grad Celsius, zittern sie solange mit den Flügeln, bis die Temperatur wieder steigt. Das ist wichtig, weil sonst der energiespendende Honig für die Energie zu hart wird. Die Bienen können ihren Stock so kurzzeitig auf bis zu 30 Grad Innentemperatur aufheizen!

Bitte nicht wecken!

Ein Igel schläft im Herbstlaub
Nicht wecken! © iStock / getty images

Tiere wie Igel, Fledermaus oder Siebenschläfer machen Winterschlaf. Dafür suchen sie sich ein Unterschlupf wie eine Höhle, ein Bau oder ein Haus. Die Körpertemperatur sinkt, die Atmung verlangsamt sich, damit der Köper möglichst wenig Energie benötigt. Igel atmen zum Beispiel statt 50 Mal pro Minute nur noch ein bis zweimal. Das Herz schlägt statt 200 gerade noch fünf Mal pro Minute. So verbringen die Tiere teilweise Monate, ohne zu fressen oder zu trinken.

Wichtig: Die Tiere dürfen aber auf keinen Fall gestört werden – das kann tödlich sein. Aufwachen kostet nämlich ein Menge Energie. Und die ist knapp.

Sind die Eichhörnchen nach dem heißen Sommer wirklich dem Hungertod nahe? Müssen wir sie füttern? Was muss ich beim Eichhörnchen-Füttern beachten? Ein großes Vogelhaus ist gut geeignet!
Schlafen nur, wenn es nötig ist © Pixabay / hbieser / CC0

Ruhet sanft — oder halt auch nicht

Säugetiere wie Bär, Dachs oder Eichhörnchen machen keinen Winterschlaf. Sie halten Winterruhe. Das heißt: Sie schlafen nur zur kältesten Zeit. Atmung und Körpertemperatur sinken dabei nicht so stark wie beim Winterschlaf. Und wenn es ein eher warmer Winter ist, ruhen die Tiere manchmal überhaupt nicht.

Fliegen oder bleiben?

Wenn ich ein Vöglein wäre und auch zwei Flügel hätt‘, flöge ich wahrscheinlich im Winter auch ins Warme. Schwalben, Kraniche oder Nachtigallen, Millionen Zugvögel sind zweimal pro Jahr auf dem Weg in ihr Sommer- oder Winterquartier. Und für sehr, sehr viele ist es ein Zug ohne Wiederkehr. Immer noch werden Millionen von ihnen gefangen und gegessen. Vielleicht ist doch besser hierzubleiben: Arten wie Stare, Feldlerchen und Mönchsgrasmücken bleiben im Winter zunehmend bei uns. Die wärmer werdenden Winter bieten ihnen offensichtlich höhere Überlebenschancen als der energieraubende und gefährliche Flug.

Haare wachsen lassen

Kälteprofis wie Eisbären und Pinguine überstehen bis zu minus 70 Grad, weil sie quasi Thermounterwäsche haben. Also ihren zentimeterdicken Speckmantel und ein perfekt abgestimmtes Fell und Gefieder. Auch fast alle einheimischen Säugetiere wie Rehe, Hirsche oder Wölfe, schwören im Winter auf ein wärmeres Fell. Unterwolle und Deckhaare bilden einen dichten, wärmenden Pelz. Dem Luchs nützt das zusätzliche Fell auch, weil damit er größere Pfoten hat. So kann er sich wie auf Schneeschuhen besser fortbewegen — und einfacher jagen.

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Ganz in weiß

Warm bleiben ist nicht alles, auch im Winter schlafen Fressfeinde nicht. Einige Tiere wechseln daher auf die Wintertarnfarbe weiß. Der alpine Schneehase hat im Sommer ein braunes Fell, im Winter jedoch ein weißes. Dasselbe gilt für die Federn des Alpenschneehuhns. Auch das Reh färbt sich um, wenn auch nicht auf weiß, sondern vom typischen Rotbraun zum unscheinbaren Graubraun.

Frostschutzmittel

Tiere Winter: Zitronenfalter im Eis
Hart dank Frostschutz: Zitronenfalter im Winter © imago / blickwinkel / G.Stahlbauer

Es gibt in der Natur zahlreiche Tiere, die sich an extreme Kälte angepasst haben. Schutz bieten ihnen biologische Frostschutzmittel. Wie zum Beispiel der erstaunlich winterharte Zitronenfalter. Zu Beginn der kalten Tage lässt er praktisch alles Wasser ab, das er nicht braucht. Die wirklich absolut notwendigen Körperflüssigkeiten werden durch eingelagerten Zuckeralkohol Glyzerin geschützt. So kann der Schmetterling Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius überstehen. Das ist aber noch gar nichts im Vergleich zum Arktischen Laufkäfer. Der macht sein eigenes Frostschutzmittel aus Fett — und ist damit sogar bis zu sagenhaften ‑75° Celsius vor Frostschäden geschützt.

Einfrieren und auftauen

Waldfrosch Eisfrosch
Dieser Waldfrosch verbringt wahre Wunder © imago images / AlphaBaby

Einige Arten können selbst ein Gefrieren problemlos überleben. Wie etwa der nordamerikanische Waldfrosch, der aus gutem Grund auch Eisfrosch heißt. Bei harscher Kälte gefriert ein Teil seiner Körperflüssigkeit und er wird hart wie Stein. Atem, Herzschlag und Hirntätigkeit setzen vollständig aus. Der Trick: extrem hohe Glukose-Einlagerung beschützt die Zellen. Es sind lebende Tote, bis die Frühlingssonne sie wieder davon hüpfen lässt.

Fische: überleben ganz unten

Fische können das nicht. Wird das Wasser, in dem sie leben, zu Eis zerschneiden die Eiskristalle gnadenlos ihre Zellmembranen. Das war es dann. Zum Glück frieren aber nur flache Tümpel unter einem Meter Tiefe bis zum Boden zu. Bei unseren Seen ist Eisschicht hingegen höchstens einige Dezimeter dick. Darunter steigt die Temperatur Richtung Boden, bis sie vier Grad Celsius erreicht. Hier können Fische, Schnecken, Muscheln und Insektenlarven überleben. Wenn auch nur im Energiesparmodus. Fische bewegen sich kaum und atmen nur sehr selten. Denn Sauerstoff und Nährstoffe sind knapp, bei lange anhaltenden Kälteperioden mitunter lebensbedrohlich gering.

Eiserne Jakutenpferde: die Ernährung macht‘s

Jakutenpferde überleben in einer der rauesten Klimazonen. Trotz Temperaturen von minus 70 Grad werden sie in Nordsibirien im Freien gehalten. Sie haben sich durch ein extrem dichtes und bis zu acht Zentimeter langes Winterfell angepasst. Und einen optimal abgestimmten Stoffwechsel: Im Herbst sammeln sie große Fettreserven an, im Winter wird der Stoffwechsel deutlich reduziert. Eine Studie der Universität Sibirien zeigt, dass das von ganz bestimmten Futterpflanzen abhängt. Die richtige Mischung aus Trespen und Hafer sind demnach entscheidend für die einzigartige Winterhärte der Jakutenpferde.

Kriegen Enten keine kalten Füße?

Doch, kriegen sie. Aber es schadet ihnen nicht. Der Trick: Die Kälte gelangt nicht in ihren Rumpf und zu den kälteempfindlichen Organen, denn Enten und andere Vögel haben in ihren Beinen eingebaute Wärmetauscher. Das geht so: Warmes Blut fließt durch die Arterien in die Beine. Das kalte Blut aus den Füssen fließt in parallel verflochten mit den Arterien verflochtenen Venen zurück Richtung Herz. Durch diesen Wärmeaustausch wird das zurückströmende venöse Blut wieder erwärmt. Damit kann die Bluttemperatur bei Enten von rund 40 Grad im Körper bis auf 1 Grad in den Füssen sinken!

 

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Wölfe, Wildnis und Munition

Als gebürtiger Kölner kenne ich Deutschland überwiegend als ein dicht besiedeltes Land mit gelegentlichen „Naturinseln“. Umso überraschter war ich, dass es bei uns vor allem im Osten doch noch weitgehend unbesiedelte und unzerschnittene Landschaften gibt. Alte Truppenübungsplätze, auf denen die noch junge Natur so manche tierische Gäste lockt. Das Geheule von Wölfen ertönte vor wenigen Jahren erstmals wieder in der Dämmerung. Insekten in allen Formen und Farben schwirren, krabbeln und klettern umher. Hier kann Natur endlich wieder Natur sein. Ein perfektes Naturparadies? Der Schein trügt. Diese neu entstehende Wildnis hat ein gefährliches Geheimnis. Unter der Erde schlummern nämlich noch Unmengen an Munition, Bomben und Granaten. Munitionsaltlasten, die jederzeit explodieren können. Eine Gefahr für Mensch und Natur.

Wildnis in Deutschland: Lieberoser Heide in Brandenburg
Militärische Hinterlassenschaften werden zu Naturschätzen © IMAGO/Rainer Weisflog

Die Vergangenheit holt uns ein

Viele der Truppenübungsplätze sind geprägt von einer düsteren Vergangenheit. Beispielsweise im heutigen Wildnisgebiet Lieberoser Heide im Süden Brandenburgs wurde zur NS-Zeit ein Außenlager des KZ Sachsenhausen errichtet. Häftlinge mussten für die SS einen Truppenübungsplatz bauen. Von 10.000 überlebten nur 400 Häftlinge. Nach Kriegsende wurden Truppenübungsplätze von der Sowjetunion weiter genutzt. Hier wurden unter anderem Chemiewaffen, Bomben und Raketen getestet.

Nach dem Mauerfall sind viele dieser Gebiete in die Staatshand übergegangen. Darauf musste die Frage gestellt werden: Was macht man mit diesen riesigen, teils stark mit Munition und Chemikalien belasteten Flächen? Die vom WWF mitgegründete Stiftung Naturlandschaften Brandenburg ermöglicht die natürliche Entwicklung von vier ehemaligen Truppenübungsplätzen in Wildnis von Morgen. Die Gebiete haben eine Gesamtfläche von über 13.000 Hektar. Sie sind Teil eines bundesweiten Netzwerks von Wildnisgebieten, einem Herzensprojekt der Teilnehmer:innen der Initiative für Wildnis in Deutschland.

Vom Truppenübungsplatz zum Naturparadies – geht das?

Die jahrzehntelange Nutzung der Flächen als Militärgelände hatte einen ungeahnten Nebeneffekt: Die hohen Kosten, die mit der Altlasten- und Munitionsbereinigung verbunden sind, haben eine Bebauung oder landwirtschaftliche Nutzung vieler Flächen verhindert. Würdet Ihr euer Haus in einem von Bomben umzingelten Gebiet bauen? Also ich sicher nicht. Und auch die hartgesottenste Landwirt:in hat vermutlich wenig Lust darauf, dass ihr Acker spontan von einer vergessenen Fliegerbombe umgepflügt wird – ganz davon abgesehen, dass so was in Deutschland natürlich streng verboten ist. Dadurch stellt die Munitionsbelastung eine riesige Chance für den Naturschutz dar.

Folgt uns durchs Traineejahr!

„Werdet Naturschutzprofi“, kündigten der WWF Deutschland und die Allianz Umweltstiftung in einer Stellenausschreibung für eine neue Ausbildung im Naturschutz an. Ein einjähriges Programm soll uns Trainees an Managementaufgaben in Natur- und Umweltschutzorganisationen heranführen. 

Auf einigen dieser Flächen entstehen nun große Wildnislandschaften. Statt Soldaten streifen nun Wolfsrudel durch die Wälder, Wiesen und Wüsten. Durch die langjährige Nutzung sind vielseitige Landschaften aus seltenen Heideflächen, dürren Panzerwüsten und dichten Laub- und Nadelwäldern entstanden. Landschaften, die in Deutschland in dieser Form einzigartig und daher unbedingt schützenswert sind.

Vorteil Munition?

Wildnis in Deutschland: Lieberoser Heide in Brandenburg, Schild Vorsicht Munition, lebensgefahr
Wer hier die Natur stört muss lebensmüde sein © IMAGO/blickwinkel/M.Henning

Hierzu hat sich durch die Munitionsbelastung ein unerwarteter Vorteil ergeben: Die Natur bleibt ganz ungestört. Denn nur ein leichtsinniger (oder lebensmüder) Wanderer würde an den angebrachten Warnschildern vorbeilaufen. Auch für Investoren sind diese Flächen oft nicht rentabel. Aber die Munitionsbelastung hat nicht nur Vorteile für den Naturschutz.

Alte Munition kann auch für die Natur zur Gefahr werden

Die Kehrseite der Munitionsbelastung bekam man vor allem in den Dürresommern der letzten Jahre zu spüren. Auf einigen der Flächen brachen immer wieder Waldbrände aus. Im Juni 2019 brannten im Wildnisgebiet Jüterborg 744 Hektar (>1000 Fußballfelder) Wald – der bislang größte Waldbrand Brandenburgs. Waldbrände können durch Explosionen, Brandstiftung oder Selbstentzündung bei extremer Dürre entstehen. Kommt es in einem munitionsbelasteten Gebiet zu einem Brand, stellt dies für die Feuerwehr eine besondere Herausforderung dar. Auf Grund der Explosionsgefahr können Brände nur vom Rand gelöscht werden und auch die Löschung aus der Luft ist stark eingeschränkt. Waldbrände können daher nicht so effektiv wie sonst bekämpft werden, ohne die Helfer:innen in Gefahr zu bringen. Sich entzündende Munition beschleunigt zudem die Ausbreitung des Feuers und verursacht neue Brandherde.

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Warum wird die Munition nicht entfernt?

Das ist leider nicht so einfach. Bis zu 45 Tonnen Munition pro Hektar könnten unter der Erde ruhen. Diese großflächig zu entfernen ist nahezu unmöglich. Es müssen bessere Strategien für den Waldbrandschutz her. Diese werden derzeit im Forschungsprojekt PYROPHOB untersucht. Neben besserem Brandschutz ist die Zeit das beste Heilmittel. Natürliche Vegetation kehrt langsam auf die alten Militärflächen zurück. Diese ist im Vergleich zu den bisher auf den Flächen vorherrschenden Nadelwäldern der Förstereien, widerstandsfähiger gegenüber Dürre und Waldbränden.

Neu entstehende Wildnis erleben

Dies ist ein spannender Zeitpunkt, um diese jungen, wilden Landschaften selbst zu erleben. Unsere Kriege haben tiefe Wunden in der Erde hinterlassen. Doch nun haben wir das große Glück, natürliche Regenerationsprozesse live mitzuverfolgen. Wunderschöne (und sichere) Wanderwege auf den ehemaligen Truppenübungsplätzen laden zu faszinierenden Naturerlebnissen ein.

Mir persönlich gibt dieses Beispiel Hoffnung. Denn egal wie sehr wir uns bemühen unsere Natur zu zerstören, sie geht am Ende immer als Sieger hervor.

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Kinder lüften: Tipps gegen den Lockdown-Koller

Winter 2021, es ist wieder und immer noch Lockdown, die Wohnung erscheint irgendwie enger als im ersten Lockdown, der Himmel wird nicht richtig hell. Mein Mann und ich knobeln aus, wer heute die wichtigeren Meetings hat und wer dran ist mit Home Schooling und Kinderbetreuung. Parallel streiten sich unsere Jungs (4 & 7) lauthals, welches Hörspiel im gemeinsamen Kinderzimmer laufen soll…

Jetzt hilft nur noch: warm anziehen und raus!

Und ja, es kostet auch mich Überwindung, bei drei Grad, grauen Wolken und eisigem Wind rauszugehen. Und nun bereits im 11. Pandemie-Monat, kennen wir gefühlt jeden Baum und jeden Stein in der näheren Umgebung. Doch trotz alledem gibt es immer noch viel zu entdecken, sogar im kargen Winter.

Zum Glück sind zwar die Spielplätze offen. Mir sind sie oft viel zu voll. Und ich habe keine Lust, meine Kinder alle zwei Minuten zu ermahnen, bitte Abstand zu anderen zu halten. Daher bevorzugen wir Ausflüge in die nahegelegenen Wälder oder Parks. Und selbst, wenn ich mal keine Lust habe, die Jungs zu aktivieren; sie selbst finden doch immer irgendetwas Spannendes zu tun. Große Äste werden hin- und hergeschleppt, Geheimpfade erforscht, ausgehöhlte Bäume untersucht oder Steine auf zugefrorene Seen geflitscht. Kinder können das.

Es gibt kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung

Die Kinder stört das trübe Wetter in der Regel viel weniger als mich selbst. Das musste ich mir auch erstmal eingestehen. Solange die Kleidung warm und trocken hält, stehen längeren Abenteuern in der Natur nichts im Wege. Das gilt übrigens auch für die Eltern: Bitte nicht nur drauf achten, dass die Kinder gut ausgerüstet sind mit Skiunterwäsche oder Ähnlichem. Mir selbst hat meine Schneehose auch bei nicht-Schnee schon sehr gute Dienste geleistet. Und so können wir auch gut gemeinsam bei Schneeregen und Frostgraden die Umgebung erforschen. Wenn mal ganz viel Überzeugungskraft nötig ist, packen wir eine Thermosflasche Kakao und Lieblingskekse ein.

Radfahren geht auch im Winter

Seitdem der Kleinste der Familie im ersten Lockdown Radfahren gelernt hat, erweitert sich der Radius unserer Ausflüge wöchentlich. Denn auch das geht natürlich bei (fast) jedem Wetter: Radtouren. Selbst der Vierjährige schafft mittlerweile Distanzen von bis zu 20 Kilometern. Wir suchen uns vorher auf dem lokalen Stadtplan ein Ziel aus und verbinden dies meist noch mit einer kleinen Aktivität. Es ist immer spannend, irgendwohin zu fahren, wo man bisher noch nie war (ich gebe zu, das muss man als Eltern entsprechend „vermarkten“). Meine Kinder lieben zum Beispiel geheimnisvolle Orte, wie stillgelegte Eisenbahnschienen oder Ruinen. Manchmal genügt es für uns aber auch zum Seniorenheim in der Nähe zu fahren, die ein Tiergehege mit Ziegen und Schweinen haben und diesen „Hallo“ zu sagen.

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Fünf Winter-Outdoor Aktivitäten, die allen Spaß machen

  • Pimp your Walk: Nur Spazierengehen ist für Kids oft die pure Langeweile und der Inbegriff von öden Sonntagnachmittagen. Hier hilft das Anlegen eines Draußen-Bingos (Wer sieht zuerst die Müllabfuhr, einen Bus, einen Raubvogel oder gar ein wildes Tier?) Im Internet könnt Ihr einige Vorlagen finden oder Ihr malt vorher passend zu eurer Stadt und Umgebung ein eigenes Bingospiel auf. Stift einpacken und los geht’s!
  • Stempeljagd: Für unsere Radtour legen wir vorher eine ungefähre Route fest und bestimmen Orientierungspunkte (die große Eiche im Ortskern, der Bootssteg am Weiher, etc.) und in ein vorab gefertigtes Heft stempeln wir jeden erreichten Ort ab. Unser Endziel ist zu Hause und dort gibt es dann natürlich auch eine leckere Belohnung für die erfolgreich bewältigte Jagd. (Anreize braucht’s dann doch…)
  • Mülldetektive: Im Herbst haben wir festgestellt, wie vermüllt unser lokaler Park ist. Der Nachbar hatte noch zwei alte Grillzangen übrig und schon sind wir auf Aufräummission gewesen. Mit großem Enthusiasmus haben die Jungs alte Flaschen, Plastikverpackungen, Kronkorken und den ein oder anderen alten Blumentopf eingesammelt. Besonders interessant wurde es, wenn wir uns überlegt haben, wie der Abfall hierhin gekommen ist und wer ihn aus welchem Grund hinterlassen hat.
  • Fußspuren entschlüsseln: Zugegeben, die meisten Fußspuren, die man in der näheren Umgebung findet, stammen vom Menschen selbst oder eben auch von Hunden. Tief im Wald oder am Feldrand sieht das aber auch schon anders aus; besonders wenn Schnee liegt oder der Forstweg aus Matschepampe besteht. Reh‑, Fuchs- und Wildschweinspuren lassen sich sehr gut erkennen und für solche, die Profis werden wollen, gibt es entsprechende Vordrucke im Netz oder tolle Kinder-Gesellschaftsspiele, die sich mit dem Thema befassen. (Link zur Junior-Seite)
  • Verstecken 2.0: Das Top-Geburtstagsgeschenk von Oma und Opa im letzten Jahr waren die Walkie-Talkies. Hierzu teilen wir uns auf und spielen Verfolgungsjagden oder geben uns gegenseitig Rätsel auf. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Spurenlesen: Hasenpur im Schnee
Wer war das? © WWF

Der Frühling kommt bald – haltet durch!

Egal, was Ihr draußen macht, selbst wenn Ihr nur einen „Wer schreit am lautesten“ Wettbewerb im Wald durchführt: Lüftet euch und eure Kinder! Dann klappt es auch besser mit der nächsten Home Schooling Challenge.

Und auch, wenn euch das noch sehr weit weg erscheint: In ein paar Wochen werden die ersten Schneeglöckchen und Krokusse hervorkommen, die Zugvögel vorbeiziehen und die Tage wieder länger. Dann wird es auch zunehmend mehr Spaß machen, rauszugehen und gemeinsam die Natur erwachen zu sehen.

Habt Ihr auch Tipps für spannende Aktivitäten an der frischen Luft im Winter? Schreibt sie hier in die Kommentare!

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Dasgupta-Bericht: Naturschutz ist kein Luxus

Im Gegenteil. Nur auf Basis einer gesunden Natur kann die Wirtschaft langfristig für Wohlstand sorgen.

Die Staaten der Erde investieren rund 400 Milliarden Euro jährlich in Naturzerstörung. Ökologisch ist diese Bilanz eine Katastrophe. Und ökonomisch blanker Unsinn. Es sind Subventionen für die Landwirtschaft, für fossile Kraftstoffe, für Energie, für die Fischerei oder für Düngemittel. Dadurch entstehen ökologische Folgekosten im Wert von vier bis sechs Billionen US-Dollar. Es ist paradox: Die Wirtschaft zerstört die Natur, was wiederum der Wirtschaft schadet.

Für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen dagegen geben wir gerade mal zwischen 60 und 120 Milliarden Euro jährlich aus. Das sind 0,1 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.

Das sind die Ergebnisse einer umfangreichen Studie des renommierten Ökonomen Partha Dasgupta im Auftrag der britischen Regierung. Sie wurde gerade in London vorgestellt. Der Wert von Naturschutz ist keine Berechnung von Naturschützern.

Die Natur ist auch die Grundlage der Wirtschaft

Wir können den Dasgupta-Review nur begrüßen — und fühlen uns bestätigt. Die eindeutigen Ergebnisse decken sich mit den Grundüberzeugungen des WWF. Die Natur ist die Grundlage unserer Wirtschaft und unseres Wohlbefindens. Daher müssen wir handeln, um den Naturverlust umzukehren. Es kommt uns sonst teuer zu stehen. Und gefährdet die Zukunft der Menschheit.

“Die Wachstums- und Entwicklungstheorien, die unsere Vorstellungen über den Fortschritt und Rückschritt von Nationen geprägt haben, erkennen die Abhängigkeit der Menschheit von der Natur nicht an”, schreibt Dasgupta. Natur sei mehr als ein bloßes Wirtschaftsgut. Sie habe nicht nur einen “Gebrauchswert”, sondern auch einen “Eigenwert”. Ein Wirtschaftssystem, das auf grenzenlosem Wachstum fußt, werde zum ökologischen und klimatischen Kollaps führen.

Um unsere Zukunft zu sichern, müssen wir aufhören, die Natur als entbehrliches Gut zu betrachten, sondern ihre Leistungen wertschätzen. Unsere Wirtschafts- und Finanzsysteme müssen wir so umgestalten, dass sie auf die Erhaltung und Wiederherstellung der natürlichen Welt ausgerichtet sind.

Natur muss in allen Entscheidungen mitgedacht werden

Wirtschaft, Umwelt und menschliches Wohlergehen gehören unabdingbar zusammen. Der Schutz von Natur und Klima muss in allen wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen mitgedacht werden. Konkret heißt das zum Beispiel für den Finanzsektor, dass alle Gelder so eingesetzt werden müssen, dass sie der Umwelt nicht schaden. Der Schutz von Ökosystemen muss Priorität haben gegenüber der Renaturierung, die wesentlich kostspieliger ist.

Klima- und naturfreundliche Ziele müssen im Zentrum der Entscheidungen von Politikern und Unternehmen stehen — insbesondere in der Wirtschafts- und Steuerpolitik. Auch die Bundesregierung muss den finanziellen Rahmen für den Schutz der Natur setzen. Das Bruttoinlandsprodukt als alleinigen Indikator für wirtschaftlichen Erfolg zu begeifen, hat laut Dasgupta ausgedient.

Elektroschrott
Kreislaufwirtschaft kann ein Schlüssel sein © andreonegin/iStock/Getty Images

Schlüssel Kreislaufwirtschaft

Ein Schlüssel für eine zukunftsfähige Wirtschaft in den planetaren Grenzen ist die Kreislaufwirtschaft. Mit unserer linearen Wirtschaft entnehmen wir dem Planeten Ressourcen, verbrauchen sie und werfen sie dann weg. Dabei entsteht ein großer Teil der klimafeindlichen Treibhausgase, artenreiche Ökosysteme wie tropische Wälder werden zerstört, wertvolle Rohstoffe werden massenhaft verschwendet. Für die Transformation zur Kreislaufwirtschaft fordern wir eine ganzheitliche Strategie von der Bundesregierung – mit einer stimmigen Gesamtvision, verbindlichen Zielen und konkreten Maßnahmen.

2021: Ein besonderes Jahr

2021 wird ein besonderes Jahr. Um der weltweiten Zerstörung der Natur Einhalt zu gebieten, wird die internationale Gemeinschaft voraussichtlich neue Ziele für die UN-Konvention zur biologischen Vielfalt verabschieden – eine Art Pariser-Vertrag für die Biodiversität. Es braucht klare, wissenschaftlich fundierte Ziele, um den Naturverlust umzukehren und eine naturfreundliche Welt bis 2030 zu sichern.

Die Bundesregierung sollte jetzt schon im Vorfeld der Konferenz voran gehen: Mit der Verdopplung der internationalen Biodiversitätsfinanzierung auf eine Milliarde Euro könnte sie schon jetzt ein wichtiges Zeichen für den Erhalt der Biodiversität setzen.

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