Markus N. Beeko, Generalsekretär von Amnesty in Deutschland, fordert die Bundesregierung und die EU-Kommission dazu auf, die Patentfreigabe nicht länger zu blockieren.
Slowenien: Historischer Sieg im Kampf gegen sexualisierte Gewalt
Grüne Welle – wie der WWF nationale Klimabeiträge bewertet
Sie sind euch bestimmt an der ein oder anderen Stelle schon begegnet: Die NDCs sind das Herzstück des Pariser Klimaabkommens. Diese “Nationally Determined Contributions” sind die nationalen Beiträge von Staaten zur Umsetzung des Pariser Abkommens: Jedes Land legt seine Emissionsziele und Klimapläne fest und reicht sie beim Klimasekretariat der Vereinten Nationen ein. Um in der Summe der Klimabeiträge die Ziele des Pariser Abkommens erreichen zu können, sollen diese alle fünf Jahre überprüft und nachgebessert werden. 2020 war die erste Überarbeitung der Klimabeiträge vorgesehen, allerdings wurde die Klimakonferenz aufgrund der COVID-19 Pandemie verschoben und damit haben die Staaten noch etwas Aufschub für ihre überarbeiteten NDCs bekommen.
Erst vor kurzem hatten wir euch berichtet, dass die bisher eingereichten Ziele nicht annährend ausreichen um das Ziel die Erderhitzung auf 2- (geschweige denn das 1,5-) °C zu begrenzen und dass die EU ihr NDC nicht im ausreichenden Maß nachgebessert hat.
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Mittlerweile gibt es Anlass zur Hoffnung: Nach dem Amtseintritt Joe Bidens sind die USA wieder in das Pariser Klimaabkommen eingetreten. Das könnte der Beginn einer neuen Dynamik sein und dazu führen, dass mehr Staaten ihre Klimaschutz-Ambitionen erhöhen und verbesserte NDCs einreichen.
Doch wie geht man mit diesen neuen Vorschlägen am besten um?
Es ist gar nicht so leicht die NDCs der verschiedenen Länder zu vergleichen und zu bewerten. Bei den Emissionszielen beispielsweise nehmen viele Länder unterschiedliche Basisjahre. Während die EU ihre geplante Emissionsminderung im Vergleich zum Jahr 1990 angibt, geben die USA sie im Vergleich zu 2005 an. Das erschwert natürlich die Vergleichbarkeit. Ganz allgemein ist es gar nicht so einfach nachzuvollziehen: Was ist ein ambitioniertes, gutes Ziel und hilft uns das die 1,5‑Grad-Grenze einzuhalten – und was ist definitiv zu wenig?
Was ist ein gutes Ziel? Eine neue Methodik
Deswegen hat der WWF ein Werkzeug zur Bewertung der NDCs entwickelt: Die Checkliste #NDCsWeWant, mit der die neu eingereichten nationalen Klimabeiträge im Vergleich zu den ursprünglichen NDCs systematisch beurteilt werden können.
Die Liste beinhaltet zwanzig verschiedene Faktoren zur Messung des Fortschritts bei den Klimazielen in fünf Bereichen:
- Ambitionen der NDCs
- Förderung des Systemwandels
- Einbeziehung und Mitwirkung
- Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung
- Verfolgen des Fortschritts
Eine Weltkarte voller Ampeln
Das Ergebnis dieser Liste seht ihr hier: Eine Weltkarte mit allen Ländern, die schon ein neues NDC eingereicht haben, mit einem Ampelsystem, das zeigt wo das jeweilige Land steht. Leider ist diese Karte (noch) voller roter, orangefarbener und gelber Ampelfarben. Das sind die NDCs „we don’t want“, die zu wenig ambitioniert sind und zu wenig zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Auch die EU beispielsweise hat wegen ihrer zu geringen Emissionsreduktionen nur ein gelbes Ampelzeichen.
Fallbeispiel Lateinamerika und Karibik
Auch für eine regionale Übersicht bietet die Checkliste eine gute Grundlage. Wir haben einen neuen Bericht mit einer regionalen Einordnung der NDCs und ihrer Bewertungen von 15 Ländern Lateinamerikas und der Karibik vorgelegt. Lateinamerikas und Karibik umfassen eine Vielzahl von Ökosystemen, darunter natürlich auch der bedeutsame Regenwald. Hier gibt es zunehmend extreme Wettereignisse infolge der globalen Erderhitzung. In Konsequenz haben fast alle Länder in der Region ihre NDCs verbessert. Fünf Länder haben in der NDC-Bewertung bereits eine grüne Ampel erhalten: Kolumbien, Suriname, Panama, Costa Rica und die Dominikanische Republik haben sich solche NDCs gesetzt, wie wir sie uns wünschen.

Weniger erfreulich sind jedoch die Entwicklungen in den größten Volkswirtschaften, Brasilien und Mexiko. Statt ihre NDCs ambitionierter zu gestalten, glänzen sie mit Rechentricks. Sogar mit steigenden Emissionen können sie ihre gesetzten Ziele erreichen. Das ist natürlich Augenwischerei und schlicht enttäuschend, noch mehr wegen einer besondere Vorbildfunktion in der Region. Insgesamt reichen aber – wie im Rest der Welt – die Klimaziele nicht aus, um die globale Temperaturerhöhung auf 1,5 Grad zu begrenzen.
NDCs als Chance
Noch ist ein Zeitfenster bis zur internationalen Klimakonferenz in Schottland im November. Mit unserer Bewertung der NDCs rufen wir alle Staatsoberhäupter dazu auf ihre nationalen Beiträge zum Klimaschutz nochmal zu überdenken. Wir glauben, dass die NDCs eine Chance sind, nationale Ambitionen zu verstärken, zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen und Fortschritte im Klimaschutz messbar zu machen.
Mit großen Ambitionen für den Schutz von Mensch und Natur und der Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5‑Grad, sind die NDCs das richtige Werkzeug um am Ende vor einer Weltkarte voller grüner Ampeln zu stehen. Dafür brauchen wir jetzt schnelles und effektives Handeln von allen Ländern.
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Mähroboter: Tödliche Gefahr für Igel
Rasenroboter boomen. Mit jedem Sommer werden es mehr automatische Rasenmäher, die sich beinahe lautlos ihren Weg durch die Gärten bahnen. Und dabei zur grausamen Todesfalle für Igel, andere Kleintiere und auch Insekten werden.
Das Problem: Igel fliehen nicht
Gerade im Frühjahr nach dem Winterschlaf, aber auch die ganzen Sommermonate über sind Igel mitunter im Rasengrün auf Futtersuche. Bemerken sie den Rasenmäher-Roboter, ist er meist schon sehr nah. Doch Igel laufen bei Gefahr nicht weg, sondern rollen sich zu einer Kugel zusammen.
Schlimmste Verletzungen

Für die autonomen Rasenmäher sind Igel nur ein kleines Hindernis wie Äpfel oder Birnen. Sie überrollen die Tiere und verursachen schlimmste Verletzungen, die häufig zu einem versteckten, qualvollen Tod führen: Die scharfen Messer skalpieren die Igel, trennen Gliedmaßen ab oder schneiden sich in ihre Schnauzen. Meist können sich verletzte Igel noch in ein Versteck schleppen, wo sie dann unentdeckt ihren Verletzungen erliegen.
August: Besondere Gefahr für Igeljunge
Im August und Anfang September ist Hauptwurfzeit für Igel. Zumeist in der Dämmerung unternimmt die Igel-Mama dann erste Ausflüge mit ihren Jungen. Die kleinen Igel sind besonders gefährdet, weil sie auch unter extra flache, vermeintlich Igel-sichere Mähroboter geraten können.

Was tun, um sicher mit dem Roboter zu mähen?
Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv. Um sie zu schützen, sollte der Rasenroboter wenn überhaupt am besten um die Mittagszeit mähen. Niemals in der Dämmerung oder bei Nacht und immer unter Aufsicht. Auch bei Tag lohnt es sich, den Rasen vorher abzusuchen. Denn hungrige Igel halten sich nicht an Uhrzeiten. Je lauter der Roboter mäht, desto eher sind außerdem alle Tiere des Gartens gewarnt.
Hier eine Anleitung, um Mährobotern eine „Igel-Schürze“ zu bauen.
Mähroboter: Auch gefährlich für andere Kleintiere und Insekten
Die scharfen Klingen automatischer Rasenmäher töten auch viele andere Kleintiere wie zum Beispiel Kröten, Insekten, Larven und Würmer.
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Häufiges und gründliches Mähen nimmt außerdem Igeln und anderen Tieren ihre Nahrungsgrundlage, denn es schmälert die Artenvielfalt des Gartens. Ein kurz geschnittener Golfrasen ist aus biologischer Sicht wertlos. Es fehlen Blüten und Kräuter – Nahrung für Insekten, die wiederum die Nahrung für Igel sind.
Igelfreundlicher Garten
Ein igelfreundlicher Garten ist ein möglichst naturnaher Garten mit heimischen Pflanzenarten, mit Stellen des Wildwuchses und mit einem Rasen, der nicht zu oft gemäht wird und dazwischen blühen darf.
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Wie geht es weiter mit den Wisenten in Deutschland?
Der Wisent –oft auch europäischer Bison genannt – lebt mittlerweile wieder in Deutschland und gehört zu unserer heimischen Fauna genauso wie Wolf, Luchs oder Elch. Das passt nicht allen.
Was für eine Aufregung im Fürstenwalder Stadtpark. Dort kam es am Wochenende zu einem Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Tierärzten. Ein Wisent war dort aufgetaucht. Das Tier war aus dem Fürstenwalder Heimattiergarten ausgebüxt. Tierärzten gelang es nach dreieinhalb Stunden schließlich, das Tier zu betäuben und zurückzuschaffen. Passiert ist niemandem etwas. Der Umgang mit den riesigen Tieren will aber gelernt sein. Umso mehr, weil die Wisente bei uns wieder heimisch sind.
Wölfe und Elche kamen einfach so wieder. Weil es eben Lebensraum für sie gibt. Unsere Wisente in Deutschland sind bisher nicht von allein zurückgekehrt. Sie wurden gezielt durch ein Auswilderungsprojekt der Wisent-Welt-Wittgenstein im Rothaar-Gebirge (Nordrhein-Westfalen) angesiedelt. Die Zukunft der 26-köpfigen Herde ist jedoch ungewiss, denn die großen Pflanzenfresser haben auch einen großen Nahrungsbedarf. Sie fressen einfach jede Menge Grünes, gut und gerne 50 Kilo am Tag. Daher sind die haarigen Urviecher bei manchen Land- und Forstwirten keine gern gesehenen Gäste. Zwei Waldbesitzer fordern deshalb, dass die Wisentherde von ihren Wäldern ferngehalten werden muss.
Ein Gericht muss über die Wisente entscheiden
Erst diese Woche hat deshalb das Oberlandesgericht in Hamm über die Zukunft der Wisente beraten. Müssen Waldbesitzer:innen wilde Wisente in ihren Wäldern dulden, trotz eventueller Schäden? Die Entscheidung wurde auf Juni 2021 vertagt. Vorerst dürfen die Wisente also in den Wäldern bleiben.
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Schäden, die sie verursachen, werden den Betroffenen auch weiterhin erstattet. Die Forderung, die Tiere wieder einzuzäunen, ist aufgrund des weltweit strengen Schutzstatus umstritten. Es wäre ein großer Verlust für die Artenvielfalt Deutschlands. Wisente in freier Wildbahn wären damit in Deutschland wieder ausgestorben.
Wann kommen die Wisente aus Polen?
In Zukunft könnten die kolossalen Tiere jedoch auch eigenständig nach Deutschland einwandern: In unserem Nachbarland Polen leben inzwischen mehr als 2000 freilebende und streng geschützte Wisente. In Westpommern, das an Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern grenzt, leben sogar über 300 dieser Tiere in direkter Nachbarschaft der deutschen Grenze. Damit wird es immer wahrscheinlicher, dass die Tiere regelmäßig die Grenze zwischen Polen und Deutschland überqueren. Und wieder selbstständig nach Deutschland zurückkehren. Wir würden uns darüber freuen. Schließlich begleiten wir die natürliche Rückkehr in dem EU-geförderten Projekt „ŁośBonasus-Crossing!“. Und geeigneten Lebensraum gibt es , wie wir schon in einer Studie nachweisen konnten.
Warum brauchen wir den Wisent in Deutschland?
Früher durchstreifte der Wisent große Teile Europas. Auch Deutschland zählte zu seinem Verbreitungsgebiet. Durch die Zerstörung seines Lebensraumes und der Jagd auf ihn, wurde der Wisent in der freien Natur ausgerottet. Der letzte deutsche Wisent wurde im 18. Jahrhundert erlegt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts galt die Tierart in ganz Europa in freier Wildbahn als ausgestorben.
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Der Wisent erhöht mit seiner bloßen Anwesenheit die Artenvielfalt und Biodiversität und hat somit einen positiven Einfluss auf unsere Natur. Gerade weil sie soviel fressen verändern sie die umgebende Natur. Mit anderen großen Pflanzenfressern, wie Rot- oder Damwild, gestaltet der Wisent langfristig so seinen Lebensraum. Und formt neue Lebensräume, die viele kleinere Tier- und Pflanzenarten zum (Über)-leben brauchen.
Die großen Pflanzenfresser müssen weiterhin geschützt werden
Das Projekt „ŁośBonasus-Crossing!“ begleitet die eigenständige Rückkehr und Verbreitung des Wisents von Polen nach Deutschland. Denn der europäische Bison ist eine gefährdete Tierart und steht europaweit unter strengem Schutz. Wichtiger Bestandteil dieses grenzübergreifenden Projektes ist es, Menschen über die Existenz des Wisents aufzuklären. Und Wege für ein Zusammenleben mit den großen Pflanzenfressern zu finden. Ohne den strengen Schutz der Wisente und den Einsatz von Naturschützer:innen ist eine Rückkehr der Tiere zurück nach Deutschland nur schwer vorstellbar.
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